Spiderman & Co : Superheld Obama

Schon jetzt ist Barack Obama ein Comic-Star. Auch Spider-Man huldigt ihm. Während die gedruckten Comics der Obama-Euphorie folgen, gibt es im Netz aber auch Kritiker.

Lars von Törne

Ist es ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein, es ist der 44. Präsident der USA. Noch bevor Barack Obama am Dienstag als politischer Führer der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, hatte er bereits in einem anderen Bereich seinen Führungsanspruch manifestiert: als Comic-Held. Das Tempo, mit dem er es als Hauptfigur in knapp ein Dutzend Comicveröffentlichungen geschafft hat, erinnert an Superhelden wie Batman oder Spider- Man, denen Obama als Kind huldigte und für die er bis heute eine Schwäche haben soll.

Bei den Obama- Comics ist es allerdings wie bei einigen Sachbüchern, die in den letzten Monaten in schneller Folge über ihn erschienen sind: Ein Teil sind oberflächliche Schnellschüsse, deren Herausgeber darauf spekulieren, mit Obama Superstar einen schnellen Dollar zu machen oder einen Werbeeffekt für ihre Hefte zu erzielen. Nachhaltige Kost sollte man nicht immer erwarten.

Aktueller Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt ist das jüngste Heft Nummer 583 aus der Marvel-Serie "Amazing Spider-Man". Auf sechs Seiten erzählen die Autoren Zeb Wells und Todd Nauck eine offensichtlich schnell zusammengestoppelte Geschichte, die am 20. Januar, dem Inaugurationstag, in Washington spielt.

Der Präsident in Gefahr

Obama soll vereidigt werden, da taucht ein Doppelgänger auf, der das Präsidentenamt für sich beansprucht. In der Verwirrung schwingt Spider-Man herbei und bietet dem von ihm verehrten Obama seine Hilfe an ("Hiya, Prez-Elect! Loved ya in the debates!"). Ein absurdes Obama-Quiz und einen Faustkampf später ist das Problem geklärt - und der Marvel-Verlag darf sich freuen, mit offensichtlich geringem Einsatz den größten Werbeerfolg seit Jahren verbucht zu haben. In den meisten Comicläden ist das Heft zumindest seit langem ausverkauft oder nur noch für ein Vielfaches des Preises von knapp vier Dollar erhältlich, bei Ebay liegen die Gebote dafür inzwischen im zwei- bis dreistelligen Bereich.

Einen ähnlich, aber offensichtlich weniger von vornherein kalkulierten Werbeerfolg hatte bereits zuvor Erik Larsens "Savage Dragon"-Serie gelandet. Auf dem Cover der 137. Folge der Abenteuer des grünhäutigen Punk-Drachens tauch te der damalige Kandidat Obama strahlend auf, neben ihm der Savage Dragon, der seinen Lesern Barack als künftigen Präsident empfiehlt. Das war offenbar so erfolgreich und verschaffte dem Verlag diverse Nachdrucke, dass Serien-Schöpfer Erik Larsen jetzt ankündigte, in der in Kürze erscheinenden Februarausgabe Nr. 145 Obama erneut auftreten zu lassen - diesmal nicht nur auf dem Cover wie in der vorigen Folge, sondern als zentraler Akteur in einer der Geschichten.

Auf der gleichen Welle versucht auch die Superhelden-Serie "Youngblood" zu reiten. In den kommenden Heften wird Obama gleich nach seinem Amtsantritt gefährlichen Bedrohungen ausgeliefert, denen er sich mit Hilfe des Youngblood-Teams erwehren muss, wie die Herausgeber kürzlich ankündigten.

Alle gedruckten Comics sind Teil der Obama-Euphorie

Etwas ernster zu nehmen, zumindest im Vergleich zu den oben genannten Heften, sind zwei Veröffentlichungen, die versuchen, Obamas Leben und Karriere mit den Mitteln des Comics seriös zu vermitteln. Chris Allens "Obama: The Comic Book" aus dem AP-Verlag kommt mit langen Textstrecken und schwarz-weißen, von Pressefotos inspirierten Zeichnungen etwas dröge daher, schafft es aber immerhin, auf gut 20 Seiten einige der wichtigsten Stationen im Lebenslauf Obamas zu beschreiben und Schlüsselreden visuell angereichert zu zitieren.

Etwas ansprechender aufgemacht ist der Obama-Comic von Jeff Mariotte und Tom Morgan aus der Reihe "Presidential Material" des idw-Verlages, der ebenfalls zentrale Stationen aus Obamas Biografie beschreibt und mit szenischen Episoden ein wenig lebendiger vermittelt.

Auffallend ist, dass alle gedruckten Comics in die derzeitige Obama-Euphorie einstimmen. Kritische Stimmen finden sich nur vereinzelt, vor allem in Online-Comics. So haben die politisch links stehenden Zeichner David Kish und Ray Hanania im Internet skeptische Comic-Kommentare zu Obama publiziert. Sie zweifeln daran, dass unter seiner Regierung nun alles anders werden wird und Muslime fortan nicht mehr als Feindbild wahrgenommen werden.

Der Zeichner Brian McFadden macht sich auf seiner Website Bigfatwhale.com lustig über die überhöhten Erwartungen an den neuen Präsidenten. Und die Scherz-Seite FreakingNews.com spielt mit einer Superman-Persiflage auf Obamas Glorifizierung an und zweifelt daran, dass er den Hoffnungen seiner Fans gerecht werden kann. Um die zu erfüllen, benötigt Obama tatsächlich Superkräfte.

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