Welt : Staatsanwaltschaft plädiert auf sechs bis 14 Jahre Haft

Im Essener Hooligan-Prozess hat die Staatsanwaltschaft am Montag langjährige Haftstrafen gefordert. Der Hauptangeklagte Andreas Zawacki (28) aus Gelsenkirchen soll wegen versuchten Mordes an dem französischen Gendarmen Daniel Nivel (44) mit 14 Jahren Haft bestraft werden, forderte Ankläger Joachim Lichtinghagen in seinem Plädoyer. Für die drei Mitangeklagten beantragte er vor der Schwurgerichtskammer des Essener Landgerichts Haftstrafen von sechs bis acht Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung.

Nach Auffassung des Staatsanwalts hatte Zawacki dem wehrlos am Boden liegenden Polizisten während der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich im Juni 1998 mit einem Gewehraufsatz den Schädel eingeschlagen. "Der Tatablauf zeigt, dass es ihm nicht nur um die Verletzung, sondern um die Vernichtung eines Menschen ging", begründete Lichtinghagen den Strafantrag und bescheinigte dem Schalke-Fan "eine Gesinnung auf tiefster Stufe". Zawacki hatte kurz vor Ende der Beweisaufnahme im Prozess einen Schlag mit einem "Gegenstand auf Nivels Oberarm oder Oberkörper" eingeräumt.

Für die Mitangeklagten Tobias Reifschläger (25) aus Hamburg und Frank Renger (31) aus Gelsenkirchen beantragte Lichtinghagen acht beziehungsweise sieben Jahre Haft. Die beiden Angeklagten sollen brutal auf den Kopf des Gendarmen eingetreten haben. Christopher Rauch (24) aus der Berliner Hooligan-Szene soll mit sechs Jahren Haft bestraft werden. Er habe Nivel mit einem Holzschild traktiert, sagte der Staatsanwalt.

"Es lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, dass diese drei den Tod von Daniel Nivel billigend in Kauf nahmen", erklärte der Staatsanwalt seinen Strafantrag vor dem Essener Schwurgericht. In der Anklageschrift war Lichtinghagen noch bei allen vier Beschuldigten von versuchtem Mord an dem Polizisten ausgegangen.

In rechtlichen Hinweisen aus der vergangenen Woche hatten die Essener Schwurrichter jedoch nicht ausgeschlossen, dass bei den drei Angeklagten auch Verurteilungen lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung oder Beihilfe hierzu möglich seien. Renger und Reifschläger hatten in Teilgeständnissen gleich zum Prozessauftakt mehrere Tritte gegen den bewusstlosen Nivel gestanden. Rauch hingegen bestritt jede Form der Gewaltanwendung.

Nivel ist seit dem Hooligan-Überfall nach dem WM-Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Jugoslawien im nordfranzösischen Lens schwer behindert. Sechs Wochen lag der Familienvater im Wachkoma. Am Donnerstag sollen die Plädoyers der Verteidigung gehalten werden. Als Termin der Urteilsverkündung hat das Gericht den 5. November vorgesehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben