Welt : Stadtparlamentwegen Mafia aufgelöst

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Rom - Die ’Ndrangheta gilt als die beweglichste, die gefährlichste und die reichste Mafia Italiens. Ihr Jahresumsatz, vorwiegend aus dem Drogenhandel, stellt mit geschätzten 44 Milliarden Euro den öffentlichen Haushalt so mancher Region in den Schatten. In Deutschland hat sich die kalabrische Form der Mafia vor fünf Jahren mit dem Massaker in Duisburg bekannt gemacht, bei dem sechs Menschen regelrecht hingerichtet worden sind. Am Dienstag hat die römische Zentralregierung das Parlament der süditalienischen Stadt Reggio Calabria „wegen Nähe zur Mafia“ aufgelöst.

Zum anderen ist am anderen Ende Italiens, in der nördlichen Lombardei, ein Regionalminister verhaftet worden. Domenico Zambetti soll sich seine Wahl zum Landtag bei der ’Ndrangheta mit 200 000 Euro erkauft haben. Im Süden Italiens ist Wählerkauf nichts Ungewöhnliches. Politiker handeln mit örtlichen Mafia-Führern die Vorzugsstimmen im Tausenderpack aus; 4000 sollen es jetzt in der Lombardei gewesen sein. Die Mafia, die das Abstimmungsverhalten ganzer Orte oder Stadtteile kontrolliert und natürlich eine Gegenleistung verlangt, garantiert die korrekte Abwicklung und bezahlt jene Wähler, die mit einem Foto aus der Wahlkabine beweisen können, dass sie den Richtigen unterstützt haben. Im Norden hingegen, so sagte Staatsanwältin Ilda Boccassini am Dienstag, sei der Fall Zambetti der erste, in dem man Stimmenkauf nachweisen könne.

Die Mafia – die Schwarzgeld waschen muss – ist gerade in der Wirtschaftskrise eine wichtige Stütze für Unternehmer geworden. Wo Banken keine Kredite mehr gewähren, verleiht der örtliche Clan mit Freuden – zu eigenen Zinssätzen aber und mit dem Ziel, die Firma zu unterwandern. Wegen Mafia-Verstrickung sind im Norden in den letzten zwölf Monaten vier Gemeinderegierungen aufgelöst worden. Genauso wie diese Städte steht jetzt auch die kalabrische Hauptstadt Reggio Calabria unter Zwangsverwaltung dreier Kommissare. Öffentliche Aufträge seien nicht ausgeschrieben worden; Mitglieder der Stadtregierung seien durch Hochzeit mit Mafia-Familien verbandelt. Paul Kreiner

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