Stahnsdorf : Explosion beim Kochen mit Stickstoff

Er wollte offenbar ein modernes Rezept für seine Freundin ausprobieren und nutzte dazu die neuartige sogenannte Molekularküche. Doch dies wurde einem 24-jährigen Koch aus Teltow in der Nacht zu Montag zum Verhängnis.

Tanja Buntrock

Stahnsdorf - Beim Hantieren mit flüssigem Stickstoff kam es zur Explosion. Dabei wurde dem Koch mindestens eine Hand abgerissen. Ob die Ärzte die andere Hand retten können, ist fraglich.

Der Koch Martin E. war in der Wohnung einer Freundin und deren Mutter im brandenburgischen Stahnsdorf zu Besuch. Wie Polizeisprecherin Katrin Laurisch schilderte, ging er gegen 23.30 Uhr mit einem Behälter voll flüssigem Stickstoff ins Badezimmer. Während die 40-jährige Mutter seiner Freundin schlief, hörte die 16-jährige Sylvia B. plötzlich einen Knall. Aus bislang noch nicht geklärten Gründen sei es zur Explosion gekommen. „Dadurch wurde ihm sofort eine Hand abgerissen“, sagte die Polizeisprecherin. Die alarmierten Retter riefen den Intensivhubschrauber des Unfallkrankenhauses Marzahn (UKB). Der Verletzte wurde ins dortige Zentrum für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie gebracht, wo die Ärzte um seine zweite, schwer verletzte Hand kämpfen. Martin E. wird künstlich beatmet und schwebt in Lebensgefahr.

Der junge Koch hat bereits im bekannten historischen Restaurant „Bäkemühle“ in Kleinmachnow unter der Leitung von Ronny Pietzner, 31, gearbeitet. Pietzner ist auch als Fernseh-Koch bekannt und tritt regelmäßig in RBB-Sendungen („Was schmeckt?!“, „Zibb“) auf. Ein Mitarbeiter der „Bäkemühle“ bestätigte, dass Martin E. in dem Restaurant tätig war. Mehr wollte er nicht sagen.

In der Molekularküche wird mit Techniken aus der Chemie und Lebensmittelindustrie experimentiert. Flüssiger Stickstoff sei dabei ein Bestandteil, erzählt Experte Christiano Rienzner, Betreiber des Restaurants „Maremoto“ am Strausberger Platz in Berlin. So könne man in der Molekularküche mit extremer Kälte garen. Der Stickstoff ist dabei minus 196 Grad Celsius kalt. Zu einer Explosion des flüssigen Stickstoffs habe es seiner Meinung nach kommen können, wenn er entweder mit Wasser in Kontakt kam oder der Raum nicht belüftet gewesen sei. Zudem habe der Koch möglicherweise nur einen provisorischen Behälter und keinen Gefahrgutbehälter verwendet, mutmaßt Rienzner. 

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