Welt : Stalking – Tausende sind verfolgt

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Hamburg Die ZDF-Moderatorin Anja Charlet („heute“) wird seit fünf Jahren von einem besessenen Verehrer, einem so genannten Stalker, verfolgt. „Der Mann macht mir mit Tausenden von obszönen Anrufen, perversen Briefen und E-Mails das Leben zur Hölle. Er drohte sogar mit Mord“, sagte sie „Bild“. Einmal habe er ihr nachts vor der Wohnung aufgelauert. Auf ihre Drohung, zur Polizei zu gehen, habe er sie nur angegrinst. „Da wusste ich: Der Mann ist ein Psychopath. Ich bekam wahnsinnige Angst, dass er mir beim nächsten Mal etwas antut. Am nächsten Tag habe ich meine Erdgeschoss-Wohnung gekündigt“, sagte die „heute“-Moderatorin. Auch ihrem Mann habe der Stalker auf dem Anrufbeantworter gedroht: „Ich bringe dich um.“ Die Polizei habe ihr nicht geholfen: „Die Beamten sagten, sie können erst eingreifen, wenn der Mann uns etwas angetan hat“, sagte Charlet. „Es ist doch unfassbar!“ Psychoterror durch hartnäckige Belästigung und Verfolgung kommt sehr viel häufiger vor als bislang angenommen. Das hat laut „Spiegel“ das Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit herausgefunden. Danach waren zwölf Prozent aller Befragten in ihrem Leben schon einmal Opfer von Nachstellungen, beispielsweise durch Telefonterror oder permanentes Auflauern. Jedes vierte Opfer wurde länger als ein Jahr drangsaliert, fast jedes dritte vom Täter persönlich angegriffen oder gar verprügelt. Fast die Hälfte der Verfolgten litt unter Angst und Schlafstörungen.

Jeder vierte Betroffene suchte einen Arzt oder Therapeuten auf, 18 Prozent ließen sich krankschreiben. Obwohl das Verhalten der „Stalker“ laut Harald Dreßing, dem Leiter der Untersuchung, häufig „eindeutig Straftatbestände“ erfüllte, etwa Nötigung oder Bedrohung, ging nur jedes fünfte Opfer zur Polizei. Letzte Woche hatte Hessens Justizminister Wagner dem Bundesrat einen Gesetzesantrag zugeleitet, der vorsieht, „unzumutbare Belästigung“ zur Straftat zu machen. dpa

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