• "Star City": Raumfahrt-Gefühl für Reiselustige: Agenturen haben sich weltweit auf Einblicke ins All spezialisiert

Welt : "Star City": Raumfahrt-Gefühl für Reiselustige: Agenturen haben sich weltweit auf Einblicke ins All spezialisiert

Tobias Arbinger

Das Reiseziel Weltall gilt in der Tourismusindustrie längst nicht mehr als bloße Spinnerei. Touren auf den Mount Everest, Fahrten in die Arktis und zur Titanic gibt es zwar längst, der Kunde aber will es immer skurriler, gefährlicher, abenteuerlicher, weiter und vor allem höher. Einen authentischen Hauch von "Raumfahrt" will jetzt das deutsch-britische Unternehmen Cosmoevent vermitteln. Am Montagabend stellte die Agentur im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße ihr neuestes Reiseangebot vor: Einmal pauschal für 5000 Mark nach "Star City" - das Sternchenstädtchen bei Moskau. Der Ort, wo schon in der Sowjetunion Kosmonauten-Stars ausgebildet wurden. Damals - unter Ausschluss der Öffentlichkeit und streng abgeschirmt vom Rest des Landes.

Cosmoevent bietet auch so genannte Parabelflüge an, bei dem Abenteuerlustige im Sturzflug Schwerelosigkeit erleben können (ab 10.000 Mark) und Überschallflüge in einer Mig 25 über die kasachische Wüste (28.000 Mark). Bei der Präsentation stand den Reiseveranstaltern der heutige Leiter des Sternenstädtchens, der dreimalige Sojus-Kosmonaut Pyotr Klimuk zur Seite. Die russische Raumfahrt ist heutzutage auf Geldquellen aus dem Westen - und der Tourismus gehört auch dazu - angewiesen.

In Zukunft will das Unternehmen dann "ein bisschen mehr als bloß das Gefühl der Schwerelosigkeit bieten", sagte der Mitinitiator der Agentur, André Spicker. Er ist zugleich Veranstalter der Ausstellung "Mission Mir" in der Friedrichstraße, wo auch ein Holzmodell der legendären Raumstation aus dem Moskauer Sternenstädtechen steht. Auch Cosmoevent will bald Reisen ins All anbieten. Man sei mit dem holländischen Konsortium Mir-Cooperation im Gespräch, die die laufende Mission finanziere, sowie mit einer amerikanischen Gesellschaft, die Touristen in Raketen für einen Kurztrip in die Stratosphäre schießen wolle, sagte Spicker. Allerdings sei "keiner der Pläne so real, dass man sagen könnte, wir haben ein Angebot, das soundsoviel kostet". Neben dem Preis sei auch bei der Sicherheit der Passagiere noch vieles offen. Das sieht auch der 57-jährige Generalmajor und Kosmonaut Pyotr Klimuk so: Nicht umsonst würden Raumfahrer mindestens ein halbes Jahr auf ihre Missionen vorbereitet. Ein Space-Tourist müsste ein Minimum an technischen Kenntnissen mitbringen, und im Ernstfall in der Lage sein, sich zu retten: "Das Weltall ist eine gefährliche Zone", sagte Klimuk.

Vielleicht werden die Russen ja die ersten sein, die einen Touristen in die unendlichen Weiten befördern. Wer der dritte Reisende der 29. Mir-Mission sein soll, die Anfang 2001 starten soll, sei noch nicht entschieden, heißt es aus dem Sternenstädtchen. Möglicherweise ein zahlender Passagier?

Weltweit kündigen Über ein Dutzend Firmen an, als erste Touristen in einem Raumfahrzeug in die Erdumlaufbahn katapultieren zu wollen. Der amerikanische Spezialist für Abenteuerreisen "Zeagrahm" in Seattle und sein Konkurrent "Space Adventure" stellen auch Urlaub im All in Aussicht. Die japanische "Rocket Society" hat Pläne für ein Space-Hotel gezeichnet, das aussieht wie ein überdimensionaler Zuckerhut. Die Chancen des Weltraum-Tourismus werden auf Symposien erörtert, eine amerikanische Stiftung hat einen Preis für die Firma ausgelobt, der es gelingt, drei Erwachsene binnen 14 Tagen zweimal in den Orbit zu befördern.

An fantastischen Ideen mangelt es nicht. Das Problem ist nur, dass es derzeit noch kein Raumfahrzeug gibt, das die Reise zu erschwinglichen Preisen möglich macht. Kosten von mehreren Millionen Dollar, die allein bei einer Mission der russischen Raumfähre Mir pro Woche anfallen, sind einem breiteren Publikum kaum zuzumuten. Und so leben die "Weltraumreisebüros" meist von der Aura der bemannten Raumfahrt - mit Reisezielen wie das Sternenstädtchen.

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