Welt : Star Wars: Die Rückkehr der Märchen-Maschine

Marit Teerling

Bald ist die Macht wieder mit uns. Am 16. Mai startet "Star Wars Episode 2: Angriff der Klonkrieger" in 43 Ländern. In den Hauptrollen sind die aus "Episode 1" bekannten Schauspieler Natalie Portman, Ewan McGregor und Samuel L. Jackson zu sehen sowie der noch relativ unbekannte Hayden Christensen. Die Rolle des Bösewichts übernimmt diesmal "Dracula"-Darsteller Christopher Lee.

Ein Vierteljahrhundert nach "Krieg der Sterne", dem ersten von bisher vier Star-Wars-Filmen, steht das Weltraumepos ganz weit oben auf der Liste der erfolgreichsten Filme. Auf rund 1,5 Milliarden Dollar werden die Gesamteinnahmen geschätzt. Die Trilogie um den interplanetaren Kampf mutiger Rebellen gegen ein despotisches Imperium avancierte in den 80er Jahren zum Kultfilm. 1982 wurde die Saga fürs Erste abgeschlossen. Star Wars schien erledigt, nur ein Detail stimmte nachdenklich: Die Filme waren im Vorspann stets mit Episode 4, 5 oder 6 übertitelt worden. Treue Fans gaben daher die Hoffnung nicht auf, Regisseur George Lucas, der Vater des Star-Wars-Universums, würde das Weltraummärchen eines Tages weitererzählen. 1999 schließlich ging dieser Wunsch in Erfüllung. Der erste Teil der neuen Trilogie, die zeitlich vor der bisher bekannten Handlung angesetzt ist, handelt von der Elterngeneration der Helden der späteren Episoden und erklärt, wie es zum Zusammenbruch der galaktischen Republik und zum Aufstieg des tyrannischen Imperators und seiner Helfershelfer kam.

Dem neuen Teil fiebern die Fans schon seit Monaten entgegen. In den USA kauften besonders fanatische Anhänger Karten für Filme, bei denen der Star-Wars-Trailer im Vorprogramm gezeigt wurde und verließen noch vor Beginn des eigentlichen Films wieder das Kino. Andere campieren bereits seit Wochen vor den Lichtspielhäusern, um sich die allerersten Karten zu sichern. In den Chatforen diskutieren unterdessen begeisterte Jedi-Jünger, ob der neue Hauptdarsteller Christensen wohl für die Rolle des Anakin Skywalker geeignet ist. Immerhin verkörpert der 20-jährige kanadische Schauspieler die zentrale Figur des Star-Wars-Universums, nämlich die eines jungen Jedi-Ritters, der dem Bösen verfällt und den Kinogängern in der zuerst gedrehten Trilogie unter dem Namen Darth Vader bekannt ist. Bei derart vielfältigen Verbindungen behalten in der Tat nur noch eingefleischte Fans den absoluten Überblick. Neulinge und Unbewanderte sollen dafür mit atemberaubenden Spezialeffekten und einer großen Liebesgeschichte in die Kinos gelockt werden. Dies dürfte indes auch für Kenner des Sternen-Epos neu sein, waren große Gefühle in den bisherigen Filmen doch eher eine Randerscheinung.

Waren die Science-Fiction-Kreaturen in der ersten Trilogie Puppen oder verkleidete Menschen, so sind sie seit "Episode 1" digitale Schöpfungen, die nur im Computer existieren. Schon "Episode 1" enthielt 1900 Spezialeffekt-Szenen, das waren viermal so viele wie beim bisherigen Rekordhalter "Titanic". Nicht zuletzt kommt auch die filmbegleitende Vermarktungskampagne ins Rollen. Sie ist mittlerweile zur einträglicheren Geldquelle als der Film selbst geworden: Die Gewinne, die allein durch die Vermarktung von "Episode 1" erziehlt wurden, waren so hoch wie die bisherigen Filmeinnahmen aus allen vier Teilen zusammen.

Der enorme Erwartungsdruck, unter dem "Episode 2" steht, kann indes auch zum Stolperstein werden. Lucas muss die Star-Wars-Fans zufrieden stellen, die sein Epos mitunter besser kennen als er selbst. Gleichzeitig soll der Film ein breites Publikum ansprechen und außerdem noch kindgerecht sein. Lucas wird auch nachgesagt, er benutze seine neuen Filme lediglich, um seine technischen Visionen auszuleben, Handlung und Darsteller verkommen zum Beiwerk. "Episode 1" bekam daher vor drei Jahren größtenteils negative Kritiken. Ihr fehlte der Witz früherer Star-Wars-Filme, denen gerade auch die technische Unvollkommenheit und eine gewisse Selbstironie Charme verliehen.

Dennoch, Lucas lässt sich davon nicht entmutigen. "Vielen Dank, Leute, es ist alles fantastisch gelaufen - wollen wir gleich noch einen drehen?" Das soll er zu seiner Crew sofort nach Abschluss der Dreharbeiten gesagt haben. Für 2005 ist "Episode 3" geplant, mit der die Trilogie abgeschlossen werden soll. In ihr wird sich die endgültige Wandlung Anakins in den dunklen Lord vollziehen.

Danach soll dann definitiv Schluss sein mit Star Wars. Und das, obwohl Lucas sein Epos ursprünglich auf neun Filme angesetzt hatte - den sechs Filmen sollte noch eine weitere Trilogie folgen, die dann wiederum von den Kindern von Luke Skywalker & Co. handeln sollte. Hat Lucas am Ende doch die Lust verloren? Seine Fans werden optimistischer sein und es mit dem Lehrsatz des Jedi-Meisters Yoda halten: "In ständiger Bewegung ist die Zukunft."

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