Welt : Star Wars II – mit Hyperantrieb ins Internet

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Von Kurt Sagatz

Wer dieser Tage im Datenstau des Internets steckt, muss sich nicht wundern: Bereits vor dem offiziellen Start von „Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger“ am 16. Mai werden Raubkopien über das Netz verbreitet. Das berichten diverse Internet-Foren, und die US-Zeitung „Los Angeles Times“ hat dazu dem Kino-Experten Bruce Forest das Zitat entlockt: „Das hat es noch nie gegeben". Da könnte er Recht haben. Bisher liefen die Filme erst nach der Premiere im Netz. Nur Madonnas „Music“ gelangte schon einen Monat vor der Veröffentlichung in die „Internet-Charts“. Bis Episode II in den Kinos anläuft, könnten ihn nun eine Million Menschen per Internet sehen, sagte Forest.

Am Wochenende war noch unklar, ob die Kopien tatsächlich echt sind. In einigen Foren wurde gemutmaßt, dass es sich um einen Trick der Filmwirtschaft handelt. Mit speziell vorbereitetem „Star Wars“-Material sollten die Internet-Tauschbörsen zum Kollabieren gebracht werden, so die Vermutung. Sie hat sich jedoch nicht bestätigt.

Bei der neuen Raubkopie handelt es sich offenbar um einen 92-minütigen so genannten „Telesync Screener“. Bei dieser Technik wird der Film in einem leeren Kino direkt von der Leinwand mit handelsüblichen Digitalkameras mitgeschnitten. Später werden die Aufnahmen in den Computer übertragen und zum Versand via Internet präpariert. Die Qualität eines komprimierten Films liegt etwas unter der einer Videokassette. Als Urheber eines der Mitschnitte hat sich eine Gruppe ns Movie-Crew FTF bekannt. Offenbar haben die Sicherheitsvorkehrungen bei den Vorabvorführungen nicht ausgereicht, um das Kopieren zu verhindern.

Sich den Film anschließend auf den Rechner zu laden, ist einfach. Mit einer schnellen DSL-Internetverbindung dauert das etwa dreieinhalb Stunden. Und davon gibt es in Deutschland immerhin schon 2,5 Millionen.

Wohin die Entwicklung gehen würde, zeigte sich bereits 1999, zum Beginn von „Star Wars: Episode I“: Damals startete der Film wegen der Synchronisierung in vielen Ländern erst Monate nach der Premiere in den USA – die Fan-Gemeinde sah sich zum Äußersten genötigt. Damals gab es noch kein schnelles DSL, und dennoch war es schon kurze Zeit nach dem US-Start möglich, „Episode I“ auf zwei Silberscheiben gebrannt über Wege zu erhalten, bei denen niemand genauer nach dem Urspung fragte.

Filme wie „Matrix“, „Hollow Man“, später auch „Harry Potter“ folgten. Die Tauschbörsen stellten sich schnell auf das Interesse der Nutzer ein. War Napster noch ausschließlich dafür gedacht, Musikstücke von einem Rechner der Welt auf einen anderen zu kopieren, so waren andere Systeme wie WinMX, Gnutella oder Kazaa bereits von Anfang an in der Lage, alle möglichen Medientypen vom Buch über Musik und Filme bis zum Computerspiel – per Hyperantrieb – zu kopieren.

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