Statistik : Drogentote: höchster Stand seit fünf Jahren

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 55 auf 1449 gestiegen. Die meisten Abhängigen starben wegen einer Überdosierung von Heroin. Die größten Einzelmengen seit mehr als acht Jahren registrierten Kriminalbeamte bei Marihuana und Haschisch.

BerlinIm vergangenen Jahr starben bundesweit 1449 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), am Dienstag in Berlin mitteilte. Das war der höchste Stand seit fünf Jahren und ein Anstieg gegenüber 2007 um 3,9 Prozent.

Die Ursachen seien noch nicht geklärt und sehr schwer nachzuvollziehen, sagte Bätzing. Auffällig sei jedoch, dass die Zahl der älteren Drogentoten steige. Mehr als 70 Prozent der Verstorbenen waren über 30 Jahre alt. Diese Menschen seien nach jahrelanger Abhängigkeit häufig körperlich geschwächt und psychisch belastet. Die meisten Todesfälle seien auf eine Überdosis Heroin, häufig in Verbindung mit Alkohol oder Schlaf- und Beruhigungsmitteln, zurückzuführen. Etwa die Hälfte habe drei oder mehr Substanzen gleichzeitig konsumiert.

Einrichtung von Drogenkonsumräumen

Als Konsequenz aus der jüngsten Entwicklung forderte Bätzing eine Reihe von Maßnahmen. Um das Überleben von Drogenabhängigen zu sichern, seien unter anderem die Einrichtung von Drogenräumen sinnvoll und eine qualitativ gestützte Substitutionstherapie mit Methadon oder Diamorphin. So sei in Städten, die Drogenkonsumräume in einschlägigen Vierteln eingerichtet hätten, die Zahl der Todesfälle zurückgegangen. Die kontrollierte Gabe von Diamorphin habe sich in einem Modellprojekt mit einer kleinen Gruppe Schwerst-Heroinabhängiger als erfolgreich erwiesen, sagte Bätzing weiter.

"Es geht darum, dass Menschen überleben können müssen - auch mit einer schweren Krankheit", sagte Bätzing. "Jeder Todesfall ist ein Todesfall zu viel." Ersatztherapien sollten deshalb auch in Gefängnissen zur Verfügung stehen, denn es habe sich gezeigt, dass Todesfälle häufig nach einer Haftentlassung aufträten. Grund sei, dass die Häftlinge zwar nicht an Drogen kämen, ihre Sucht aber längst nicht geheilt und der Körper durch die Abstinenz entwöhnt sei.

Auch die Zahl der so genannten Erstauffälligen Konsumenten harter Drogen stieg im vergangenen Jahr erstmals seit 2004 wieder an, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte. Insgesamt seien 19.203 Drogenabhängige zum ersten Mal bei den Behörden auffällig geworden. Gegenüber 2007 war das ein Anstieg um drei Prozent. Der Trend gehe dabei offenbar weg vom "schmutzigen Heroin" hin zu Lifestyledrogen wie Amphetamine, Ecstasy oder Kokain. Von den 19.203 Erstauffälligen hätten rund 10.200 mit Amphetaminen konsumiert.

25 Drogenlabore entdeckt

Bei Marihuana und Haschisch wurden die größten Einzelmengen seit mehr als acht Jahren gefunden. Dadurch sei die gesamte Menge um 122 Prozent auf rund 16.500 Kilogramm Cannabis im vergleich zu 2007 gestiegen. Auch die Zahl der Fälle erhöhte sich um zehn Prozent auf rund 34.900 Sicherstellungen.

Bei den Amphetamin-Süchtigen stieg 2008 die Zahl der Erstauffälligen um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei LSD war es ebenfalls eine Zunahme von neun Prozent, bei Ecstasy um sieben Prozent und bei Kokain um vier Prozent. Rückläufig waren die Zahlen bei Heroin (minus sechs Prozent), Crack (minus 30 Prozent) und kristallinem Metamphetamin (minus 22 Prozent).

Das BKA entdeckte 2008 zudem 25 Drogenlabore. Im Jahr zuvor waren es nur zehn gewesen. Ein großer Teil dieser Labore habe in Bayern und Sachsen nahe der Grenze zu Tschechien gearbeitet. Dort seien überwiegend Amphetamine hergestellt worden. Bei den Sicherstellungen von Drogen gab es bei Amphetaminen und Metamphetaminen eine Zunahme um 53 Prozent von 800 Kilogramm 2007 auf 1,3 Tonnen 2008. Bei Heroin und Kokain wurde dagegen weniger Stoff sichergestellt als im Vorjahr, unter anderem da es hier anders als 2007 keinen großen Einzelfall gegeben habe, sagte Ziercke. (nal/AFP/dpa)

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