Stefan Raab : Macht euren „Contest“ doch alleine

Stefan Raab gibt der ARD einen Korb: Der Pro-7-Entertainer wird mit dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht beim „Eurovision Song Contest“ 2010 zusammenarbeiten. Die Entscheidungswege in der ARD sind ihm zu kompliziert.

Joachim Huber
277071_0_377157ae.jpg
"Wadde hadde dudde da". Stefan Raab im Jahr 2000. -Foto: dpa

Berlin - Stefan Raab hat der ARD abgesagt. Der Pro-7-Entertainer wird mit dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht beim „Eurovision Song Contest“ 2010 zusammenarbeiten. „Der NDR hat uns um Hilfe gebeten“, sagte Raab in einem „Spiegel“-Interview. „Wir haben ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt.“ Die Entscheidungswege in der ARD seien aber derart kompliziert, dass „sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind. Unser Song Contest heißt Bundesvision Song Contest“, begründete Raab seinen Schritt. Die Intendanten der ARD hatten sich in dieser Woche nicht über eine Kooperation mit Pro 7 und seinem wichtigsten Protagonisten einigen können. Genauer: Einige Senderchefs waren dafür, andere dagegen. Eine ARDSprecherin hatte noch am Donnerstag gesagt, man sei „zuversichtlich, die offenen Fragen klären zu können“.

Stefan Raab hatte 1998 Guildo Horn auf Platz sieben beim „Song Contest“ gehievt, „sein“ Max Mutzke wurde 2004 Achter, Raab selber kam 2000 mit „Wadde hadde dudde da?“ auf Rang fünf. Raab versteht sehr viel von Pop, von Musikshows, von Publikumsgeschmack. Thomas Schreiber, Unterhaltungschef des für den „Song Contest“ verantwortlichen NDR in der ARD, sah in Raab quasi den letzten Hoffnungsschimmer, damit die deutschen Beiträge beim traditionsreichen Wettbewerb nicht so armselig abschneiden. Der Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ (deutsch: „Küss, Küss, Bums“) landete am 16. Mai auf Platz 20, im Vorjahr waren die „No Angels“ beschämende Letzte. Bei Pro 7 führt Raab durch den „Bundesvision Song Contest“, ein geglücktes Gegenstück zum deutschen ARD-Vorentscheid.

Der Entertainer arbeitet bei Pro 7 wie ein unabhängiger „Shop im Shop“ im Warenhaus. Mit den Produktionen seiner Firma „Raab TV“, wie „Schlag den Raab“ oder „TV Total Turmspringen“, garantiert er ordentliche bis sehr gute Quoten, gerade in der jungen Zielgruppe. Raabs Absage ähnelt jener von RTL-Zugpferd Günther Jauch Anfang 2007. Auch bei dessen anvisiertem ARD-Engagement herrschte unter den zehn Senderchefs keine Einmütigkeit. Jauch sah sich schon von den ARD-Bürokraten und den „Gremlins“ in den Gremien umstellt. Da gab er dem Ersten einen Korb und blieb Erster bei RTL. Und dass der NDR „Verständnis“ für Raabs Absage zeigt, das zeigt nur den Frust über die Rest-ARD.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben