Steilküstenabbruch auf Rügen : Kap Arkona: Vermisste Katharina geborgen

Die Zehnjährige war Weihnachten bei einem Steilküstenabbruch am Kap Arkona getötet worden. Der genaue Hergang des Unglücks ist immer noch unklar.

Claus-Dieter Steyer
Der Unglücksort. Immer wieder waren die Geröllmassen in den vergangenen Wochen untersucht worden.
Der Unglücksort. Immer wieder waren die Geröllmassen in den vergangenen Wochen untersucht worden.Foto: dpa

Nach einem kurzen Blick auf die Kleidung bestand für Bürgermeister Ernst Heinemann kein Zweifel: Bei der am frühen Dienstagmorgen in den meterhohen Ostseewellen vor Kap Arkona auf Rügen entdeckten Kinderleiche handelt es sich um die seit dem zweiten Weihnachtstag vermisste zehnjährige Katharina aus der Gemeinde Plattenburg im nördlichen Brandenburg. „Das Meer hat sie uns vor vier Wochen genommen und nun wieder gebracht“, sagte der sichtlich bewegte Gemeindechef aus dem nahen Puttgarten dem Tagesspiegel. „Wir mussten den Angehörigen die Nachricht überbringen.“ Für sie ende eine lange Zeit der Ungewissheit.

Ernst Heinemann war seit dem 26. Dezember an den Sucharbeiten unterhalb der Nebensignalstation an der Nordspitze Rügens beteiligt gewesen. „Wir wissen bis heute nicht, ob das Kind schon beim Absturz der Steilküste in die Ostsee geschleudert wurde oder zunächst unter dem Geröll aus Kreide, Steinen und Mergel verschüttet worden war“, sagte der Bürgermeister. „Der erste große Sturm dieses Jahres hat die Leiche nun entweder aus dem Geröll, das bis weit ins Meer rutschte, freigelegt oder aus den Tiefen der Ostsee nach oben getragen.“ Mitglieder des Fördervereins Kap Arkona hätten die Entdeckung auf ihrem täglichen Kontrollgang gemacht und sofort die Polizei verständigt. Seit dem großen Abbruch zu Weihnachten ist der Küstenweg am Kap Arkona aus Sicherheitsgründen für Spaziergänger gesperrt.

Rund zwei Wochen hatten hier bis zu 180 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr zusammen mit Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks mit Schaufeln, Spaten und zuletzt mit zwei Spezialbaggern nach dem Mädchen gesucht. Es war beim Spaziergang mit der Mutter und ihrer 15-jährigen Schwester von aus bis zu 38 Meter Höhe herabstürzenden Gesteins- und Kreidemassen verschüttet worden. Während Mutter und Schwester am Strand verletzt geborgen werden konnten, blieb die Zehnjährige spurlos verschwunden. Die Rettungskräfte mussten immer wieder wegen des Hochwassers, des Sturms und der Gefahr weiterer Abbrüche ihre Arbeiten unterbrechen. Mitte Januar zogen sie vom Unglücksort endgültig ab.

Unterdessen steigt gerade in diesen Tagen die Gefahr weiterer Küstenabbrüche nicht nur auf Rügen, sondern auch an den Steilufern auf den Inseln Hiddensee und Usedom. Durch die starken Niederschläge seien große Wassermassen durch Risse in die eigentlich kompakten Kreideformationen eingedrungen, hieß es auf Nachfrage vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Stralsund. Das Wasser spüle weiter Kreide heraus und vergrößere dadurch die gefährlichen Spalten. Bei starken Frösten entfalte das Wasser eine regelrechte Sprengkraft, sodass die Standfestigkeit der Steilküsten gefährdet sei. Das treffe sogar auf den berühmten Königsstuhl bei Sassnitz zu, der ein Magnet für den Tourismus auf der Insel ist.

Sowohl das Nationalparkamt als auch die Hotels auf Rügen weisen die Gäste seit dem Unglück verstärkt auf die Risiken der Natur gerade an der Küste hin. Auf eine komplette Sperrung der Steilküsten wurde bisher verzichtet. Dafür wurde auf Hiddensee der Wanderweg oberhalb der Küste bereits weiter in Inselinnere verlegt. Die größten Risiken birgt ein Spaziergang direkt auf dem schmalen Strandstreifen unterhalb der Steilküste.

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