Stephanie-Prozess : "Mario M. soll nie wieder raus"

Geiselnahme, Kindesentziehung, Vergewaltigung und schwerer sexueller Missbrauch in mehreren Fällen: Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrem Plädoyer knapp 15 Jahre Haft für Mario M..

Dresden - Stephanies Vater übermannen im Saal des Dresdner Landgerichts die Gefühle. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Entführer und Vergewaltiger der heute 14-jährigen Schülerin hat Staatsanwältin Liane Pospischil in ihrem Plädoyer gerade an die "massiven sexuellen" Qualen erinnert, die das Mädchen unter dem Angeklagten Mario M. erleiden musste. Der Vater des Opfers kann seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Mit seinen Händen bedeckt er die rot geweinten Augen.

Die Staatsanwältin fordert am Dienstag 14 Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung für Mario M. Sie bleibt damit nur knapp unter der Höchststrafe von 15 Jahren, die der Nebenklageanwalt Ulrich von Jeinsen verlangt.

Verteidiger Andreas Boine verzichtet in seinem Plädoyer auf einen konkreten Strafantrag. Er appelliert jedoch an die Jugendschutzkammer, bei der Strafzumessung das umfangreiche Geständnis des Angeklagten sowie seine vom Gerichtsgutachter festgestellte Persönlichkeitsstörung und die "erhebliche Herabwürdigung seines Mandanten durch die Medien" zu berücksichtigen.

Mario M. entschuldigt sich

Der Angeklagte selbst, der während der Plädoyers mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank sitzt, entschuldigt sich am Ende des Prozesstages bei Stephanie und ihrer Familie für das verursachte Leid. Sie sollten keine Angst mehr haben, auch wenn er gedroht habe, sich bei einem "Verrat" an dem Mädchen zu rächen. "Ich habe wirklich nicht vor, Stephanie etwas zu tun", erklärt der 36-jährige vorbestrafte Sexualstraftäter.

Stephanies Vater betont jedoch, mit seiner späten Reue nehme M. der Familie nicht die ständige Angst. "Das ist doch Täuschung! Er hat schon so viel versprochen und es nie gehalten." Er hoffe, dass M. "nie wieder raus kommt", sagt der Vater des Mädchens.

Nach Auffassung der Staatsanwältin hat M. "wissentlich und willentlich" am 11. Januar nach "mindestens sechs Wochen langer Planung" Stephanie auf ihrem Schulweg in seine Gewalt gebracht. Immer wieder musste das damals 13-jährige Mädchen in fünf Wochen Geiselhaft die sexuellen Bedürfnisse ihres Peinigers mehrfach täglich befriedigen.

"Ich hacke dir den Kopf ab"

Mit wiederholten Drohungen wie "Ich hacke dir den Kopf ab" und "Ich verfüttere dich an meine Hunde" habe M. sich das Kind gefügig gemacht. Die Chance auf ein normales Sexualleben als Erwachsene sei Stephanie durch M. genommen worden, sagt Pospischil.

Gleichzeitig kritisiert die Staatsanwältin erneut das Vorgehen der Nebenklage und des Beratungsteams der Familie Stephanies. Sie wirft ihnen vor, das Kind öffentlich "vermarktet" und ins "mediale Interesse gerückt" zu haben, um den Schadenersatzforderungen Nachdruck zu verleihen und Einfluss auf das Gericht zu nehmen. Jeinsen fordert 1,1 Millionen Euro vom Land für die Ermittlungs- und Justizpannen der sächsischen Behörden.

In seinem Plädoyer weist Jeinsen den Vorwurf vehement zurück. "Niemand ist ausgebeutet worden", sagt er. Stephanie solle zu einer normalen Erwachsenen heranwachsen. "Dafür sind Therapien notwendig, die keine Krankenkasse bezahlt und die die Familie nicht bezahlen kann", betont er. Auch Stephanies Vater weist die Vorwürfe zurück und wirft Pospischil in einer emotionalen Stellungnahme "unschönes" Verhalten vor. Die Staatsanwaltschaft hatte aus Opferschutzgründen auf eine zweite Befragung des Mädchens verzichtet und so unter anderem nur etwa 30 der über 100 Vergewaltigungen angeklagt. Am Donnerstag soll das Urteil gesprochen werden. (Von Sandra Hänel, ddp)

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