Stephanie-Prozess : Vorladung für Kerner?

Im Strafprozess um die entführte und sexuell missbrauchte Stephanie aus Dresden will die Verteidigung möglicherweise TV-Moderator Johannes B. Kerner als Zeugen laden lassen.

Dresden/Hamburg - Das sagte Rechtsanwalt Andreas Boine dem MDR Sachsenspiegel am Donnerstagabend. Grund sei das Fernsehinterview, das Kerner in seiner Talkshow mit dem Mädchen geführt habe. "Dadurch ist Herr Kerner auch zu einem potenziellen Zeugen im Strafverfahren geworden", sagte Boine.

Eine Sprecherin des Moderators sagte, Kerner wisse nichts von einer Vorladung, und es liege auch keine Anzeige vor. Stephanie war gemeinsam mit ihren Eltern Mitte September in der ZDF-Talkshow "Johannes B. Kerner" aufgetreten und hatte über die Entführung gesprochen.

Wie es in dem MDR-Bericht weiter hieß, hat sich der Rechtsanwalt zudem beim ZDF-Fernsehrat über einzelne Inhalte des Interviews beschwert. So kritisierte er unter anderem den Vergleich des Falles Stephanie mit dem der in Österreich verschleppten Natascha. Deren Peiniger hatte sich nach der Flucht des Opfers das Leben genommen.

Im Fall Stephanie hatte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts Dresden erhoben. Der 36-jährige Mario M. muss sich wegen Geiselnahme, Kindesentziehung und schweren sexuellen Missbrauchs sowie Vergewaltigung verantworten, wie die Staatsanwaltschaft in Dresden mitteilte. Die damals 13-jährige Stephanie war am 11. Januar 2006 auf dem Schulweg entführt worden und blieb der Staatsanwaltschaft zufolge 36 Tage in der Gewalt des vorbestraften Kinderschänders. (tso/ddp)

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