Stephanie zu Guttenberg : Leumund in Gefahr

Gegen Stephanie zu Guttenbergs Verein „Innocence in Danger“ werden Vorwürfe laut – jetzt wehrt sie sich.

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Zeigt sich sehr betroffen. Stephanie zu Guttenberg.
Zeigt sich sehr betroffen. Stephanie zu Guttenberg.Foto: dpa

Wo sie hingeht, öffnen sich Herzen und Brieftaschen. Stephanie zu Guttenberg hat ihrem Verein „Innocence in Danger“ zu großem Erfolg verholfen. Nicht zuletzt durch ihren – bisher – souveränen Umgang mit den Medien. Das Anliegen von „Innocence in Danger“ ist es, Kindern und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch im Internet zu schützen. Ihr Bündnis mit Boulevardmedien, das sie mit diesem Anliegen eingeht, war in der Vergangenheit Gegenstand von Kritik. Vor allem die Sendung „Tatort Internet“ bei RTL 2, in der Lockvögel eingesetzt werden, um Täter in die Falle zu locken, stieß auf Bedenken, aus rechtsstaatlichen Gründen, aber auch, weil in mindestens einem Fall der Täter wieder laufengelassen wurde und er noch mehrere Monate weiter Kinder betreuen konnte, bis die Sendung ausgestrahlt wurde.

Jetzt sind neue Vorwürfe laut geworden. Kern der Vorwürfe ist die Tatsache, dass „Innocence in Danger“ in seinen Jahresberichten keinerlei Auskunft über die Höhe der Spendeneinnahmen gibt. Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, kritisiert die Geheimhaltungspolitik. „Es fehlt an Offenheit und Transparenz“, sagte er.

„In dem Jahresbericht von ,Innocence in Danger’ gibt es keine Zahlen“, sagte Lothar Schruff, Professor für Rechnungslegung an der Universität Göttingen, dem Tagesspiegel. Der Spendenexperte gehört der Jury des Transparenzpreises an, der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „PriceWaterhouseCoopers“ an vorbildlich wirtschaftende Spendenorganisationen vergeben wird. Bei „Innocence in Danger“ sei nicht ausgewiesen, wie hoch das Spendenvolumen sei, wie hoch die Verwaltungskosten seien und wie viel Geld für Werbung ausgegeben werde. Zu der Tatsache, dass auf der Webseite von „Innocence in Danger“ eine kostenpflichtige Hotline angegeben sei, sagte Schruff: „Mir ist das so noch nie begegnet.“ Bei einer kostenpflichtigen Hotline stelle sich die Frage, ob es sich um einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb handle.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb? Das wäre etwas anderes als ein gemeinnütziger Verein.

Auch der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, bekräftigte seine bereits zuvor geäußerte Kritik. Auch er moniert eine fehlende Transparenz bei „Innocence in Danger“. Das DZI prüft Spendenorganisationen und vergibt ein Spendensiegel, wenn sie die Kriterien erfüllen. „Innocence in Danger“ hat sich bisher nicht um ein Siegel bemüht.

Stephanie zu Guttenberg erklärte am Dienstag: „Transparenz der Spendenmittelverwendung ist uns sehr wichtig.“ Sämtliche Aktivitäten würden online gestellt und Projektfinanzierern wie dem Bundesfamilienministerium detaillierte Abrechnungen präsentiert, erklärte die Vereinsvorsitzende. Auf das Spendensiegel des DZI werde bewusst verzichtet, um möglichst viel Geld Projekten zugutekommen zu lassen. Gegenüber dem für gemeinnützige Organisationen zuständigen Berliner Finanzamt würden zudem jährlich die Geschäftszahlen offengelegt.

Stephanie zu Guttenberg zeigte sich gegenüber dem Tagesspiegel betroffen: „Die gegen uns erhobenen Vorwürfe entbehren jeder Grundlage und dienen in erster Linie dem einen Zweck, uns Schaden zuzufügen“, sagte sie. „Das ist eine Verleumdungskampagne. Die Gründe dafür kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich einen Fahrradverleih hätte, würde man mir jetzt unterstellen, ich vermiete Fahrräder mit nur halb aufgepumpten Reifen.“

Es gibt in der Tat zahlreiche seriöse Spendenorganisationen, die auf ein DZI- Spendensiegel verzichten, weil das zu viel Geld kostet. Das gilt auch für zahlreiche Untergliederungen des Deutschen Kinderschutzbundes. Allerdings veröffentlicht der Kinderschutzbund jedes Jahr einen detaillierten Geschäftsbericht, in dem die Höhe der Spenden und die Verwaltungskosten aufgeführt werden.

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