Welt : Steueraffäre: Boris Becker vor dem Ende

Dreieinhalb Jahre nach der spektakulären Razzia der Steuerfahnder darf Tennis-Star Boris Becker auf ein schnelles Ende der Affäre hoffen. Aber der Deal mit dem Fiskus könnte teuer werden. "Es kann sein, dass das Strafverfahren gegen Herrn Becker schon in zwei Wochen gegen die Zahlung von ein paar Millionen Mark abgeschlossen und eingestellt wird", sagte sein Berater, der Kieler Steuer-Professor Erich Samson. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll der 32-jährige Becker, dessen Vermögen auf weit über 200 Millionen Mark geschätzt wird, Steuern in Höhe von rund zehn Millionen Mark an das Münchner Finanzamt nachzahlen.

Stets hat die Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Becker abgelehnt. Im Juni kamen dann die Forderungen des Fiskus auf den Tisch: "Wir sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass Herr Becker nichts zu zahlen hat", meinte Samson. Das Finanzamt, das sich im Übrigen recht fair verhalte, habe aber eine andere Rechtsauffassung. "Lohnt es sich", fragte Samson in der BamS, "angesichts eines guten Gewissens darum zu kämpfen? Oder soll man durch Zahlung von ein paar Millionen Mark nachgeben. Die Beantwortung dieser Frage macht Herr Becker allerdings noch abhängig von der Höhe der geforderten Nachzahlungen." Der Ausgang des Deals, der unter dem Steuergeheimnis steht, ist somit noch völlig offen.

Die Einstellung des Steuerstrafverfahrens käme für Becker aber gelegen, da der Tennis-Star den Börsen-Gang plant. Schon am Dienstag in Berlin will er auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz das Geheimnis lüften. "Ich bin keine nationale Größe, sondern einer der bekanntesten Menschen der Welt", stellte er einmal fest und hofft auf dem Finanzparkett auf kräftige Kursgewinne.

Kurz vor dem Weihnachtsfest 1996 hatten Fahnder die Becker-Villa in München durchsucht. Kistenweise Papiere, Fotos und Vertragsunterlagen, von denen sie einen Großteil auf gerichtlichen Beschluss aber wieder herausgeben mussten, waren bei der Razzia beschlagnahmt worden. Deutschlands Tennis-Idol, der sich zu dieser Zeit mit seiner Familie in Florida aufhielt, reagierte verärgert und dachte sogar ans Auswandern. Knapp eineinhalb Jahre später führten die Ermittler dann an etwa 30 Orten in der Bundesrepublik auch bei Bekannten und Sponsoren des Tennis-Stars Hausdurchsuchungen durch. Die Ermittler wollten Becker nachweisen, das Steuerparadies Monaco zwischen 1991 und 1993 nur als Scheinwohnsitz genutzt zu haben.

Auch eine Auswanderung steht nicht mehr zur Debatte: "Meine Familie und ich", bekannte der Vater zweier Söhne, "fühlen uns momentan einfach sehr wohl in München. Wir haben auch Häuser und Wohnungen auf Mallorca, in Monte Carlo und Miami. Aber München ist unser Lebensmittelpunkt."

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