STICHWORT : Kammerdiener

Hausdiener gab es seit Beginn der ersten Frühkulturen. Sie übernahmen häusliche Pflichten und waren versklavt. Das Verhältnis eines Kammerdieners zu seinem Dienstherrn wurde bis in die Neuzeit hinein als ein sklavisches beschrieben, auch wenn er in späteren Zeiten Angestellter war. Das Verhältnis ist bis heute vor allem durch Treue, Aufrichtigkeit und Diskretion geprägt, aber eben auch von Unterwürfigkeit. An Königshöfen kannten die Kammerdiener das Privatleben ihres Herrn wie kein anderer, sie waren die Einzigen, die bis ins Privateste vordringen durften. Im Vatikan gehört der Kammerdiener zur päpstlichen Familie. Paolo Gabriele ist zwar verheiratet und hat eine eigene Wohnung. Er hat aber Zutritt zum Schlafzimmer von Benedikt XVI., hilft ihm beim An- und Auskleiden und ist nahezu immer bei ihm. Auch auf Reisen, wenn er ihm den Koffer packt oder ihm den Schirm hält. Er ist einer der engsten Gefährten des Papstes. Wenn er, dem Benedikt vertraute wie kaum einem anderen, nicht loyal ist, wem kann seine Heiligkeit dann noch trauen?

Die Verliese des Vatikans

Bisher wird dem Kammerdiener Paolo Gabriele schwerer Diebstahl von Dokumenten vorgeworfen. Vielleicht kommt später Hochverrat hinzu. Was wird mit ihm passieren? Den Kerker Galileis gibt es noch, auch die Werkzeuge, mit denen er verhört wurde. Beides wird der Kammerdiener wohl nicht kennenlernen. Er sitzt zwar in einer vatikanischen Arrestzelle und wird verhört. Aber die Verliese des Vatikans haben keine Gefangenen mehr. Wenn es im Vatikan zu Straftaten kommt, dann werden sie von der eigenen vatikanischen Justiz verfolgt, die Haftstrafen aber werden in italienischen Gefängnissen abgesessen. Es kann auch geschehen, dass schwere Vergehen vor einem italienischen Gericht verhandelt werden. os

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