Stierkampf in Spanien : Adios Toreros

Immer mehr spanische Städte verbieten den Stierkampf. Sie sehen darin Tierquälerei. Nun droht auch einer traditionsreichen Lehrstätte in Madrid das Aus.

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Trockenübungen. In der Madrider Schule „Tauromaqia Marcial Lalanda“ trainieren schon Jugendliche den Kampf gegen Bullen.
Trockenübungen. In der Madrider Schule „Tauromaqia Marcial Lalanda“ trainieren schon Jugendliche den Kampf gegen Bullen.Foto: Fabian Wegener/dpa

Der 17-jährige Carlos hat nur einen Traum: „Ich will Stierkämpfer werden.“ Genauso wie Álvaro (16) oder Daniel (13), die nachmittags zum Trainieren in Spaniens berühmteste Toreroschule in der Hauptstadt Madrid kommen. Etwa 40 Jugendliche zwischen neun und 18 Jahren üben derzeit in der Schule „Marcial Lalanda“, wie man einem wütenden Kampfbullen ins Auge sieht und ihn schließlich mit dem Degen tötet. „Sie verlassen die Schule als Toreros“, sagt der Direktor José Luis Bote stolz. „Auch als würdige Männer.“

Doch der Torero-Beruf ist in Spanien vom Aussterben bedroht. Nicht nur, weil sich immer weniger junge Leute für diesen blutigen Job interessieren. Sondern auch, weil den Stierkämpfern scharfer Wind entgegenweht. Immer mehr spanische Regionen und Städte verbieten die jahrhundertealte Tradition, weil sie von der Mehrheit der Bürger als Tierquälerei abgelehnt wird, die nicht mehr ins 21 Jahrhundert passt. Deswegen wollen nun nach den Kanarischen Inseln und Katalonien auch die Baleareninseln mit Mallorca den Stierkampf verbieten.

Die wachsende Anti-Torero-Stimmung in Spanien hat inzwischen sogar die traditionsreiche „Escuela de Tauromaquia Marcial Lalanda“ erreicht, die nach dem ruhmreichen Stierkämpfer Marcial Lalanda benannt ist – und nun um ihre Zukunft fürchtet. „Tauromaquia“ heißt auf Deutsch „Stierkampfkunst“, denn als solche sehen die Toreros und ihre Anhänger diese Tradition, die in von der konservativen Regierung 2013 sogar als „nationales Kulturerbe“ unter gesetzlichen Schutz gestellt wurde.

Keine staatlichen Subventionen

Bisher hat die Stadt Madrid, in der jahrzehntelang die Konservativen regierten, die Torero-Schule mit Steuergeldern subventioniert. Doch nachdem im Sommer die linksalternative Bürgermeisterin Manuela Carmena einzog, wurde der öffentliche Zuschuss gestrichen. Damit löste Carmena ihr Wahlversprechen ein, „die Misshandlung von Tieren nicht länger mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren“. Auch in vielen anderen spanischen Rathäusern, in denen es in den jüngsten Kommunalwahlen einen Linksruck gab, sind Subventionen für die Stierspektakel gestrichen worden.

Schulleiter José Luis Bote, den seine Schüler ehrfürchtig „Maestro“ nennen und der früher selbst hier Schüler war, ist empört: „Sie wollen mit dem Stierkampf von Grund auf aufräumen.“ Und deswegen werde nun seine berühmte Lehrstätte angegriffen, welche die Mutter aller Stierkämpferschulen und „die Basis und Zukunft der Stierkampfwelt“ sei. In seiner Trainingshalle seien einige der berühmtesten Toreros Spaniens ausgebildet worden. Wie zum Beispiel der legendäre „El Juli“, heute einer der bekanntesten Matadoren der Nation. „Aber wir werden uns keinesfalls unterkriegen lassen und weitermachen.“

Schlechte Jobaussichten

An den Wänden jener Sporthalle, in der Spaniens Stierkampf-Nachwuchs trainiert, hängen die Bilder vieler Torero-Legenden und Plakate vergangener Kämpfe. Einige Schüler rennen schnaubend, in gebückter Haltung und mit Hörnern vor dem Kopf als „Stier“ auf ihre Kameraden zu, die mit ihrem roten Tuch elegant zur Seite ausweichen. Vier Jahre dauert die Ausbildung. Erst wird mit Trockenübungen und dann mit Jungstieren geübt. „Ein richtiger Star-Torero zu werden, ist fast unmöglich“, steht an einer Wand. Die Jugendlichen sollen sich keine falschen Hoffnungen machen.

Denn mangels guter Jobaussichten bietet der frühere Traumberuf des Stierkämpfers schon seit Jahren keine sichere Zukunft mehr. Von den etwas mehr als 200 professionellen Toreros in Spanien sind höchstens 20 so gut im Geschäft, dass sie davon leben können. Die anderen haben Nebenjobs oder sind arbeitslos. Die Zahl der Stierkämpfe im Königreich geht ohnehin immer weiter zurück, viele Arenen mussten schon schließen. Umfragen zufolge interessiert sich nur noch eine Minderheit der Bevölkerung für diese „nationale Fiesta“.

Verzweifelt versucht Spaniens immer noch mächtige Stierkampfbranche, die Welt auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Zum Beispiel mit Demonstrationen. In Valencia protestierten Mitte März Tausende, darunter viele Toreros und Kampfbullenzüchter, gegen den Untergang ihres Handwerks und riefen „Stierkampf ist Kultur“. Von der anderen Straßenseite schallten ihnen die Rufe von Tierschützern entgegen: „Mörder, Mörder“ und „Schluss mit der Tortur“.

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