Welt : Störche pflegen, Eier verstecken, Berge besteigen

Ostern beim Kanzler verläuft wie bei vielen Familien in Deutschland - besinnlich, im Kreise der Familie. Nach dem Streit um das Zuwanderungsgesetz tankt Gerhard Schröder Kraft im heimischen Hannover. "Lesen, miteinander reden, spazieren gehen", sagte er zu seinen Osterplänen. Im Garten des neu bezogenen Hauses im Zooviertel will er Ostereier für Klara verstecken, die elfjährige Tochter seiner Frau Doris.

Edmund Stoiber wedelt vor der Wahlschlacht mit der Familie lieber Skihänge in Österreich hinunter. "Das hat Tradition", teilte die bayrische Staatskanzlei mit. Möglicherweise trifft Stoiber ja auf Arbeitsminister Walter Riester - auch der begibt sich in altbekannte Gefilde. Riester genieße mit seiner Ehefrau Renate die Ruhe des Ossiacher Sees, verriet eine Sprecherin. Nicht nur politisch soll es hoch hinausgehen. "Geplant sind Ausflüge in die Berge."

Nicht um Osterhasen, dafür aber um einen Storch-Witwer kümmert sich Bildungsministerin Edelgard Bulmahn. Ein Storchen-Paar hatte sich nahe ihrem Wohnsitz im niedersächsischen Döhren eingenistet. Bei einem Hochwasser kam das Weibchen ums Leben. "Der verbliebene Storch ist traurig und braucht Zuwendung", ließ das Ministerium wissen. Bundespräsident Johannes Rau steuert mit Frau und Kindern das Strandidyll der Nordseeinsel Spiekeroog an. Der erste Mann im Staat freut sich nach Angaben des Präsidialamtes auf gute Bücher und Spaziergänge.

Generell bedeckt im Hinblick auf Urlaubspläne halten sich Unions-Fraktionschef Friedrich Merz und Außenminister Joschka Fischer. Verteidigungsminister Rudolf Scharping ist auf die Frage, was er in den Osterferien mache, ziemlich zugeknöpft. "Der Sicherheit wegen kein Kommentar", sagte sein Sprecher. Auskunftsfreudig und doch nebulös gibt sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Er fahre zum Golfen, da "wo es etwas wärmer ist". Und Guido Westerwelle? "Nichts genaues weiß man nicht", teilte die Parteizentrale zu den Absichten des FDP-Vorsitzenden mit. Fraktionschef Wolfgang Gerhardt wolle bei gutem Wetter Tennis spielen und Freunde und Verwandte besuchen.

Anders als die Mehrheit der Politprominenz begeben sich Claudia Roth und Christine Bergmann auf Fernreisen. Nach stürmischen Tagen im politischen Berlin wärmt sich die Grünen-Chefin in der Türkei, die Familienministerin zieht es nach Spanien. "Frühsport, Essen, Ruhe - alles außer Politik", sagte Roth. Geplant sei ein Abstecher nach Istanbul. Als bekennende Verfechterin der multikulturellen Gesellschaft ist sie seit 1985 regelmäßig in ihrer "zweiten Heimat".

Rastlos, selbst zu Ostern, ist Verkehrsminister Kurt Bodewig. Er ist auf Dienstreise in Chile, Brasilien und Mexiko, um einer Messeeröffnung beizuwohnen und Aufträge für die heimische Industrie einzuwerben. "Das Eiersuchen wird deshalb vorgezogen", sagte Bodewig. Die PDS-Chefin Gabi Zimmer zieht es in den Thüringer Wald. Dort kann sich ihr Enkel der vollen Aufmerksamkeit seiner 46 Jahre alten Großmutter gewiss sein.

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