Welt : Stoff für Hollywood

Die Filmstudios denken schon eifrig darüber nach, mit wem sie die Affäre um Dominique Strauss-Kahn ins Kino bringen könnten

von
Ein wunderschönes kleines, altes Townhouse hat Dominique Strauss-Kahn nach seiner Freilassung auf Kaution bezogen. Seither pilgern dort Neugierige New Yorker, Touristen, Paparazzi und Kameraleute hin. Das kleine Haus steht inmitten später erbauter, ebenfalls sehr schöner alter Bauten, die aber damals eine Bausünde waren, als die kleinen Townhouses abgerissen wurden. Der Stadtteil heißt TriBeCa, das steht für „Triangle Below Canal Street“. Er liegt im Süden Manhattans und ist eine der begehrtesten Adressen der Stadt. Foto: AFP
Ein wunderschönes kleines, altes Townhouse hat Dominique Strauss-Kahn nach seiner Freilassung auf Kaution bezogen. Seither pilgern...Foto: AFP

Harrison Ford oder Anthony Hopkins? Jerry Bruckheimer, der große Hollywood-Produzent, sagte kürzlich, dass er sich einen dieser beiden in der Hauptrolle als Dominique Strauss-Kahn vorstellen könnte. „Warum denn nicht?“, sagte Bruckheimer, der gerade wieder einmal mit seinem neuesten „Pirates of the Carribean“-Abenteuer viele, viele Millionen von Dollars an der Kinokasse verdient.

Während Dominique Strauss-Kahn in New York unter Hausarrest auf die Anklageschrift wartet, tüfteln an der Westküste fleißige Produzenten und Drehbuchautoren an einem möglichen Kinofilm um den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds. Die Geschichte hat einige Zutaten, die ein Hollywood-Skript brauchen kann. Längst ist die Affaire deshalb ein Gesprächsthema in den Chefetagen vieler Studios.

„Natürlich können wir uns vorstellen, eine solche Geschichte zu verfilmen“, sagt ein Produzent der Fox-Studios. Und fügt hinzu: „Wir sammeln alles Material, das sich derzeit finden lässt, und warten einfach auf das erste gute Manuskript, das bei uns auf dem Schreibtisch landet.“

„Das ist Stoff, auf den sich die Drehbuchautoren stürzen werden“, sagt Bob Strauss, Entertainment-Reporter der „Los Angeles Daily News“. Der amerikanische Kolumnist Ross Douthat glaubt, dass hinter dieser Geschichte ein „oscarverdächtiger Streifen“ stecken könnte. Nicht zuletzt deshalb wird in den kreativen Stuben von Sony, Fox, Warner und Universal fleißig nachgedacht, wie und mit wem ein Projekt realisiert werden könnte. Noch ist freilich überhaupt nichts in trockenen Tüchern. Der spannende Strafprozess, der für einem solchen Film wichtiges Material liefern würde, steht schließlich noch bevor. Insofern geht es derzeit eher um erste Vorüberlegungen, um das Sammeln von Ideen, um Spekulationen über mögliche Autoren, Regisseure und Darsteller.

Hollywood reagiert allerdings manchmal schnell. Kurz nach Beginn der Finanzkrise kaufte der Bezahlsender HBO die Rechte an dem Skript „Too Big To Fail“. Der Fernsehfilm, der versucht, die Hintergründe des größten Finanzdebakels in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte seit der Großen Depression darzulegen, lief unlängst sehr erfolgreich im amerikanischen Fernsehen. Und auch der jüngste Skandal um Arnold Schwarzenegger könnte ein Film werden. Nur würde Arnie in diesem Fall eher nicht die Hauptrolle als Gouvernator übernehmen.

„Ein gutes Drama ist wie ein gutes Steak. Schön saftig muss es sein, und gut gewürzt“, hat Steven Spielberg einmal gesagt. Über eine Verfilmung der Affäre um Strauss-Kahn wurde bereits auf dem Filmfestival in Cannes laut nachgedacht. Der Skandal „habe alle Zutaten für einen kafkaesken Film der Brüder Ethan und Joel Coen“, sagt der bekannte Festival-Kritiker Serge Kaganski. Womit auch schon die Rolle der Regie für einen solchen Film beantwortet wäre. Die Brüder hätten sicherlich auch das Gespür, nicht einen platten US-Krimi abzudrehen, der sich nur um den Sex und den Skandal drehen würde. „Nein“, sagte Jean-Andre Yerles, Vizepräsident der französischen Vereinigung der Drehbuchautoren, die Coen-Brüder würden sicherlich auch die viel spannendere Geschichte der „systematischen Selbstzerstörung dieser Figur“ erkennen und beleuchten.

Bis zum fertigen Film ist aber noch ein bisschen Zeit. Strauss-Kahn muss erst einmal am 6. Juni erneut vor Gericht in New York. Dann wird ihm die offizielle Anklage vorgelesen. Darin wird dem Franzosen versuchte Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch, Freiheitsberaubung und unsittliches Berühren vorgeworfen.

Derweil bleibt DSK unter Hausarrest in einem vornehmen Stadthaus – die Villa steht im New Yorker Stadtteil TriBeCa. Er wohnt hier auf 630 Quadratmetern, hat vier Schlafzimmer, eine Bar am Bett, fünf Badezimmer, einem Gymnastikraum und eine schöne Dachterrasse.

Außerdem hat die Villa ein eigenes kleines Kino. Da kann DSK dann den späteren Film über sich anschauen. Wenn er freigesprochen wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben