Stopfmast : Weihnachtsgans mit Fettleber

Tiefkühlfleisch aus Stopfmast wird in deutschen Supermärkten verkauft – die Kunden wissen es nicht. Die Ware stammt oft aus Frankreich oder Ungarn. Dort ist die gewaltsame Fütterung von Tieren im Gegensatz zu Deutschland noch erlaubt.

Benjamin von Brackel

Wer seiner Familie zum Weihnachtsfest eine Gans oder Ente auftischen will, sollte diese früh bei einem Bauernhof oder Züchter anmelden. Wer aber keinen kennt oder zu spät kommt, greift eben in die Tiefkühltruhe im Supermarkt. Doch was die Kunden nicht wissen: Das Gänse- und Entenfleisch stammt zu einem Teil aus Frankreich oder Ungarn, wo den mit Gewalt gemästeten Tieren die verfettete Leber entnommen und als Delikatesse („foie gras“) verkauft wird.

In Deutschland ist es verboten, Tieren mit Zwang Futter einzuverleiben, „sofern dies nicht aus gesundheitlichen Gründen erfoderlich ist“, heißt es im Tierschutzgesetz. Darunter fällt auch die Stopfleberproduktion. Den Gänsen und Enten wird dabei mehrmals täglich ein Rohr in den Schlund gesteckt, durch den Maisbrei und Fett mit Druckluft eingeflößt wird. Nach Informationen des ARD-Magazins „Fakt“ gelangen dennoch jährlich 6000 Tonnen Gänsefleisch aus der Stopfmast nach Deutschland. Denn die ist in anderen Ländern wie Ungarn, Frankreich und Bulgarien nicht verboten. In Deutschland ist lediglich die Produktion verboten, nicht aber der Import von Stopflebern. Das Verbraucherschutzministerium habe das ändern wollen, sei jedoch an der EU-Kommission gescheitert, die ein einseitiges nationales Einfuhrverbot ablehnt, sagt Sandra Pabst, Sprecherin des Ministeriums.

Dabei fehle in den Supermärkten oft ein eindeutiger Hinweis, dass es sich um Fleisch aus der Stopfleberproduktion handelt, sagt Dylan Whiting, Pressesprecher der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ in Wien. Wer nicht will, dass von dem umstrittenen Fleisch etwas auf dem Festtagstisch landet, sollte beim Kauf genauer hinsehen: Enten und Gänse ohne Innereien können darauf hindeuten, dass das Tier aus der Stopfleberproduktion stammt. Auch von gefrorenen Gänseteilen aus Frankreich, Belgien oder Ungarn rät die Tierschutzorganisation ab. Wer genau wissen will, ob das Fleisch aus der Stopfleberproduktion kommt, kann die Kennzahl auf dem Produkt (EWG-Nummer) mit einer Liste der Produzenten und Abnehmer vergleichen. Auf dem Bauernmarkt sollte nach der Herkunft gefragt werden. Am sichersten ist es aus Sicht von „Vier Pfoten“, Biofleisch aus der Region einzukaufen.

Aufgrund der Kampagne der Tierschutzorganisation haben einige Supermarktketten in Deutschland die Zusammenarbeit mit Produzenten von Stopfleber gekündigt. So seien die Einfuhren zurückgegangen, doch hätten Stichproben ergeben, dass Supermarktketten wie Edeka und Globus nach wie vor Fleisch von den umstrittenen Produzenten aus Ungarn beziehen, sagt Whiting. Die Supermarktketten bestreiten das. Zwar beziehe die Edekagruppe Gänsefleisch aus Ungarn, jedoch „ausschließlich Tiefkühlteile aus der Hafermast“, sagt Alexander Lüders von der Edeka-Presseabteilung.

Einer der ungarischen Stopfleberproduzenten, Hungerit, stellte die Produktion zunächst einmal ein, nachdem im September zahlreiche deutsche und österreichische Lebensmittelketten ihre Lieferverträge storniert hatten. Doch nun will Hungerit das umstrittene Produkt aber doch weiter erzeugen, weil das ungarische Parlament die Stopfleber jüngst zum „schützenswerten nationalen Traditionsgut“ erklärt hatte, berichtete die Budapester Zeitung „Nepszava“.

Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel Polen, sagt Elvira Schiöberg vom Berliner Büro der Tierschutzorganisation. Dort sei die Stopfleberproduktion eingestellt worden. Die Bauern würden stattdessen weiße Gänse in der Hafermast aufziehen – und hätten offenbar kein Problem, sie in Europa zu verkaufen.

Eine Liste mit den EWG-Nummern von Stopflebermästern in Ungarn finden Sie auf folgender Homepage im Internet: www.vier-pfoten.de

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