Strände werden schwarz : Die Ölpest erreicht die Ferieninsel Gran Canaria

Am 14. April sank ein russischer Fischtrawler vor der Südspitze Gran Canarias, der Schiffstank zerbarst . Nun bestätigen sich die Befürchtungen: Der Ölteppich erreicht nun die Ferieninsel.

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Am Hafen von Las Palmas hatte der russische Fischtrawler Feuer gefangen. Danach sank er und aus dem geborstenen Tank strömte Schweröl.
Am Hafen von Las Palmas hatte der russische Fischtrawler Feuer gefangen. Danach sank er und aus dem geborstenen Tank strömte...Foto: Reuters

Nach Tagen des Bangens haben sich auf der spanischen Ferieninsel Gran Canaria die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Das schwarze, klebrige Diesel-Schweröl, das seit zehn Tagen aus einem untergegangenem russischen Fischtrawler vor der Küste fließt, ist an mehreren Stränden angekommen. Betroffen ist bisher ein Küstenabschnitt im Südosten der Insel. Die beiden im Süden liegenden bekannten Urlaubshochburgen Maspalomas und Mogán blieben aber zunächst verschont. 

Gran Canaria gehört zusammen mit der Nachbarinsel Teneriffa zu den beliebtesten Urlaubszielen innerhalb der Kanarischen Inselgruppe. Jedes Jahr machen mehr als drei Millionen ausländische Urlauber auf Gran Canaria Ferien - deutschsprachige Touristen bilden die größte Gästegruppe. 

Das Öl stammt offenbar aus den Tanks des 120 Meter langen Schleppnetzschiffes Oleg Naydenov, das am 14. April rund 28 Kilometer vor der Südspitze Gran Canarias versank. Seit dem Schiffsunglück strömt Diesel aus dem Schiffstank, in dem sich 1400 Tonnen Treibstoff befanden. Ein Tauchroboter stellte inzwischen fest, dass das Wrack in 2700 Meter Tiefe liegt und der Tank geborsten ist. 

Spaniens für die Seefahrt zuständige Verkehrsministerin Ana Pastor teilte mit, dass auf den Videobildern des Tauchroboters drei Lecks im Tank zu sehen sind, aus denen Dieselöl ins Meer fließe. Nun werde geprüft, ob das Tankleck abgedichtet oder der Schiffstreibstoff abgepumpt werden können. 

Auf dem Atlantik südlich von Gran Canaria treiben inzwischen riesige Ölflecken, die sich über eine Länge von 200 Kilometern ausdehnen und sogar auf Satellitenbildern gut sichtbar sind. Nach tagelangem heftigem Wind und hohen Wellen teilte sich die ölige Fläche. Ein größerer Teppich schwimmt Richtung Süden in den offenen Atlantik, könnte aber nach einem Windwechsel demnächst in die Gegenrichtung treiben. Mehrere kleinere Ölflächen bewegen sich bereits Richtung Norden auf Gran Canaria zu. 

Die ersten verschmutzen Strände sind die Playa de Veneguera, Playa de Tasarte und Playa Tasartico, welche westlich des touristischen Inselzentrums Maspalomas liegen. Dutzende Helfer begannen an dem betroffenen Küstenschnitt mit Reinigungsarbeitern. Sie kämpfen am Strand mit Schaufeln gegen das Öl, welches in kuhfladengroßen Klumpen oder auch in Schlieren antreibt. Auf dem Wasser versuchen mehrere Spezialschiffe mit Absaugeinrichtungen und Barrieren die schwarze Flut aufzuhalten. 

Auch Fischerboote sind ausgerückt und versuchen, mit Keschern und Netzen die Ölverschmutzung abzuschöpfen, die ihre Lebensgrundlage bedroht. Fischer wie Umweltschützer klagen, dass Spaniens Regierung die Bevölkerung nicht über das wahre Ausmaß der Katastrophe aufkläre. „Sie rücken keine Informationen heraus“, sagte Ricardo Ortega, Chef der örtlichen Fischereivereinigung. „Statt in Spanien scheinen wir hier im Iran zu leben.“ Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den bisherigen Einsatz zur Ölbekämpfung als „völlig unzureichend“. 

Zudem wächst Kritik daran, dass die Hafenbehörden der Inselhauptstadt Las Palmas die Oleg Naydenov nach einem Maschinenbrand aus dem Hafen aufs Meer geschleppt hatten, wo das Schiff wenig später unterging. Dadurch sei der Umweltschaden vergrößert und unkontrollierbar geworden, erklärte die Öko-Organisation Ecologistas en Acción. Das Schiffswrack habe sich in eine „Zeitbombe“ verwandelt.

 

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