Stralsunder Ozeaneum : Müssen Fische trinken?

In Stralsund wurde das gigantische neue Ozeaneum eröffnet – mit Kanzlerin Angela Merkel.

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Das Ozeaneum gilt als eines der zehn größten Meeresmuseen der Welt. -Foto: ddp

Wie vier vom Gletscher zurückgelassene Eiszeit-Findlinge in futuristischem Gewand liegt das neue Ozeaneum zwischen alten Speichergebäuden im Hafen von Stralsund. „Müssen Fische trinken?“ und „Wie kommt das Salz in die Ostsee?“ – die Beantwortung solcher Fragen lässt mitunter selbst Erwachsene zögern. Im neuen Ozeaneum von Stralsund finden sich die Antworten. In seinem Innern kann der Besucher von Samstag an praktischen Unterricht im Fach Meeresbiologie nehmen – und staunen.

Als erste Besucherin ging bei einer ersten Eröffnung am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Entdeckungsreise entlang der Großaquarien. „Im Ozeaneum kann man auf wunderbare Art in die Welt der Meere eintauchen“, schwärmte die Kanzlerin. Für sie ist die Einrichtung zugleich ein „Aufruf, sorgsam mit der Natur umzugehen“. Der Rundgang führte die Kanzlerin entlang an zunächst 27 Schaubecken mit der Meereswelt von Rügens Kreideküste über die ganze Ostsee bis zum Kattegat. Farbenfrohe Kuckuckslippfische, Plötzen, Dorsche und Hummer tummeln sich in den Aquarien.

Der zweite Teil des Rundgangs, der von Helgolands roten Felsen durch Nordsee und Atlantik bis zum Polarmeer führt, wird wegen Bauverzögerungen bei der Installation der Aquarientechnik erst in zwei Wochen öffnen, wie Museumschef Harald Benke mit Bedauern sagt.

Insgesamt 7000 Tiere von mehr als 100 Arten werden dann in den mit sechs Millionen Liter Wasser gefüllten Aquarien zu sehen sein. Die europaweit größte Ostsee-Ausstellung und eine Schau über die Weltmeere informieren gleichermaßen über Vielfalt im Meer und dessen Bedrohungen, über das Wechselspiel von Atmosphäre und Ozeanen, über die Motoren der Meeresströmungen und Extreme der Tiefsee. Auch das Forschungs-U-Boot GEO, mit dem der Meeresbiologe Hans Fricke in den 1980er Jahren vor den Komoren den ausgestorben geglaubten Quastenflosser entdeckte, steht in der Ausstellung. Politiker überschlagen sich zur feierlichen Eröffnung mit Superlativen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann rechnet das Haus zu den zehn bedeutendsten Meeresmuseen der Welt.

Bis zum frühen Freitagmorgen hatten Ausstellungsmacher Vitrinen bestückt, Meeresbiologen und Aquarianer die Schaubecken gefüllt. Eine von ihnen ist Meeresbiologin Elke Wolska-Böhm, die vor einem Monat von einem Wal-Beobachtungsschiff in der Antarktis als Museumspädagogin ins Ozeaneum wechselt, wo nun die weltweit größte Dokumentationsschau über Wale zu sehen ist. Dort wird sie in der von Greenpeace finanzierten Schau „1:1 – Riesen der Meere“ arbeiten. Die 38-Jährige freut sich auf ihre neue Arbeit unter dem 26 Meter langen Blauwalmodell, dem lebensgroßen Orca und der Buckelwalmutter. Trotz ihrer Erfahrung mit dem lebenden Objekt sagt sie: „Es ist das erste Mal, dass ich einen Blauwal in Gänze sehe.“ Walfänger haben nach Angaben von Greenpeace den Giganten unter den Säugetieren fast ausgerottet. 1964 habe die antarktische Walfangflotte nur noch 20 Exemplare gezählt, die Bestände seien früher auf 300 000 geschätzt worden. Weiterhin werde aber sinnlos Jagd auf bedrohte Meeressäuger, besonders auf Buckel- und Minkwale gemacht, sagte Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens.

Mit rund 60 Millionen Euro – und damit zehn Millionen mehr als ursprünglich geplant – gehört das Ozeaneum zu den teuersten Museumsbauten in Deutschland. Die geplante Pinguinanlage und das Heringsbecken dürfen aus Kostengründen derzeit nicht gebaut werden.

Und? Müssen Fische trinken? Salzwasserfische ja, Süßwasserfische nein. Alle Fische benötigen Wasserzufuhr, bei den Süßwasserfischen dringt die Flüssigkeit von außen ein, weil das Salz in den Zellen einen osmotischen Druck erzeugt. dpa

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