Straßenkarneval : Die Narren sind los

Heiteres Karnevalswetter hat am Samstag Närrinnen und Narren in Deutschland in Scharen auf die Straßen gelockt. In Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Niedersachsen und im Saarland zog das bunte Völkchen bei Sonnenschein durch die Städte.

Hamburg - Wo die Bürgermeister noch nicht entmachtet waren, wurden sie unter Freudengeheul bis zum Aschermittwoch aus ihren Amtsstuben getrieben. Hoch "Hella" verspricht den Jecken auch für die kommenden Tage beste Aussichten. "Die Karnevals-, Fasnachts- oder Faschingsumzüge sind am Montag und Dienstag noch von trockenem und recht mildem Wetter begünstigt", sagte Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia.

In der Fastnachtshochburg Mainz war am Samstag der Nachwuchs an der Reihe. Beim 50. Mainzer Jugendmaskenzug beteiligten sich unter der Herrschaft von Kinderprinz Dennis I rund 4000 Kinder und Jugendliche an dem Spektakel.

Zum Auftakt der Straßenfastnacht in Hessen musste sich Marburgs Bürgermeister Franz Kahle um 11:11 Uhr dem Prinzenpaar und der närrischen Gefolgschaft geschlagen geben und die karnevalistische Proklamation unterzeichnen. Auch das Wetzlarer Prinzenpaar fand, begleitet von einer Kapelle und etwa 150 Narren, keine Gegenwehr bei der Übergabe des Rathausschlüssels. In Kassel setzte sich um 11 Minuten vor 12 Uhr der Fastnachtsumzug mit 42 Wagen in Bewegung. Tausende Zuschauer säumten die Straßen.

Widerstand in Saarbrücken

Erheblichen Widerstand leistete Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). Doch letztlich konnten auch Konfetti-Kanonen und gute Worte die 600 Narren nicht davon abhalten, um 11:28 Uhr das Gebäude in ihren Besitz zu nehmen, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Auch in Niedersachsen waren die Narren los. In Osnabrück feierten mehr als 100.000 Menschen den "Ossensamstag" mit einem Karnevalszug mit 200 Wagen. In der Thüringer Faschingshochburg Wasungen säumten am Nachmittag tausende Schaulustige den Tross aus mehr als 100 bunt kostümierten Gruppen, Kapellen und Wagen. Zielscheibe des Narrenspotts war unter anderem die Mehrwertsteuererhöhung. Die Thüringer Karnevalisten nahmen aber auch Anleihen in südlichen Gefilden: Heiße Samba-Rhythmen und venezianische Masken sorgten für Stimmung. Der 1524 erstmals erwähnte Wasunger Karneval gilt als einer der ältesten in Deutschland.

In Erfurt übernahmen die Karnevalisten mit Kanonendonner, Schunkelgesängen und "Erfordia Helau"-Rufen das Zepter. Der festgesetzte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) kaufte sich mit zwei Runden Freibier los. Den Erfolg ihrer Aktion kommentierten die Narren launig: "Unter der Rathauszinne hocken endlich die Richtigen drinne."

Stop-and-Go in Süddeutschland

Karnevalsflüchtlinge hatten am Samstag zumindest im Süden Deutschlands schlechte Karten. Zum Beginn der Faschingsferien bildeten sich auf den südbayerischen Autobahnen kilometerlange Staus. Nach Angaben der Polizei staute sich der Verkehr zeitweise auf einer Gesamtlänge von 40 Kilometern. Auf weiteren 75 Kilometern kamen die Autokolonnen nur stockend voran. "Auf dem Weg in die Wintersportgebiete ist Stop-and-Go angesagt", beschrieb ein Beamter die Lage.

Als Fernseh-Karnevalisten entpuppten sich am Freitagabend 7,16 Millionen Zuschauer, die in der ARD das närrische Treiben bei "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" verfolgten. Nach Senderangaben entsprach das einem Marktanteil von 25,1 Prozent. Damit waren die Mainzer im Ersten knapp besser als Günther Jauch, der mit seinem "Wer wird Millionär?"-Quiz auf RTL zur selben Sendezeit 7,04 Millionen Zuschauer erreichte. Nach RTL-Angaben entsprach das einem Marktanteil von 21,2 Prozent. (tso/dpa)

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