Straßenverkehr : Die meisten Fahrschüler fallen im Osten durch

Die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts zeigt deutliche Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern. Der Fahrlehrerverband ist ratlos.

Matthias Schlegel

Berlin - Sind ostdeutsche Fahrschüler dümmer als westdeutsche? Eine aktuelle Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes scheint diesen Verdacht nahezulegen: Im Jahr 2008 lag die Quote der Durchfaller in den theoretischen Fahrerlaubnisprüfungen in allen neuen Bundesländern (ohne Berlin) bei über 40 Prozent. Der bundesdeutsche Durchschnitt lag bei 30,4 Prozent, und Hamburg kam mit 32,5 Prozent auf den schlechtesten Wert unter den westlichen Bundesländern. Leicht schlechter schnitt noch Berlin mit 34,7 Prozent ab. Die meisten Durchfaller gibt es in Sachsen-Anhalt. Dort waren es 44,4 Prozent, also fast jeder zweite Fahrschüler. Am erfolgreichsten waren dagegen die Niedersachsen: Dort rauschte nur etwa jeder Vierte durch (25,5 Prozent).

Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes in Sachsen-Anhalt, Wolfgang Prescher, ist „sprachlos“ über den Ost- West- Unterschied. Eine Erklärung hat er dafür nicht. Allerdings macht er darauf aufmerksam, dass im Osten generell die Dekra und im Westen der Tüv die Prüfungen abnimmt. Doch die gesetzlichen Richtlinien seien für beide gleich. „Vielleicht wird im Osten wegen der höheren Verkehrsunfallzahlen ein bisschen strenger geprüft“, vermutet Prescher, der seit 1978 als Fahrlehrer arbeitet.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrer- Verbände hat zu diesem Phänomen bereits eine Studie in Auftrag gegeben. Vorsitzender Gerhard von Bessendorf vermutet, dass die geringen Kosten für die theoretische Prüfung dazu verleiten könnten, sich vorzeitig anzumelden, ohne ausreichend vorbereitet zu sein. Das aber erklärt für Fahrlehrer Prescher nicht den Ost-West-Unterschied. „Gerade weil die Einkommensverhältnisse im Osten noch immer schlechter sind als im Westen, gehen hier die Leute sorgsamer mit dem Geld um“, sagt er. Demnächst will der Vorstand seines Fahrlehrerverbandes mit Dekra, Tüv und Landesverwaltungsamt über das Thema beraten.

Bei den praktischen Prüfungen sind die Unterschiede im Übrigen nicht so signifikant. Zwar liegen alle neuen Bundesländer auch dort bei einer Durchfallerquote von über 30 Prozent (Bundesdurchschnitt 25,7 Prozent). Doch die meisten nicht bestandenen Fahrprüfungen verzeichnet Hamburg mit 41 Prozent, und auch Bremen liegt mit 31,3 Prozent im Bereich der Ost-Werte. Am besten schneiden Hessen mit 19,8 Prozent und Baden-Württemberg mit 21,9 Prozent ab. Zumindest für seine Berufsgruppe wirft sich Prescher in die Bresche: „Die Fahrlehrer im Osten sind nicht dümmer als die im Westen.“ Matthias Schlegel

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