Streik der Müllabfuhr : Palermo stinkt zum Himmel

Man fühlt sich an Neapel erinnert, aber es geht um Palermo: Ganze Straßenzüge sind mit meterhohen Müllbergen zugedeckt. Ein Streik der Müllabfuhr hat drastische Folgen.

Dominik Straub
Nach Neapel hat Palermo ein Müllproblem
Überall Dreck in den Straßen von Palermo.Foto: dpa

Rom - Man fühlt sich an Neapel erinnert, aber es geht um Palermo: Ganze Straßenzüge sind mit meterhohen Müllbergen zugedeckt, schwarze Rauchschwaden steigen in den Himmel, weil wütende Anwohner über Pfingsten mehr als zweihundert überfüllte Müllcontainer in Brand gesteckt haben.

Am Montag ist in Palermo der Chef des nationalen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, eingetroffen. Berlusconis Krisenmanager versprach ein Ende des Notstands innerhalb einer Woche. Notfalls soll wie in Neapel die Armee zum Abtragen der Müllberge eingesetzt werden. Schließlich beginnt in zwei Wochen die Touristensaison.

Grund für die Müllhalden in den Straßen ist ein Streik der Müllmänner, der knapp zwei Wochen gedauert hatte. Die Angestellten protestierten gegen die seit Monaten ausstehende Bezahlung ihrer Überstunden sowie gegen die chronische Unterfinanzierung des städtischen Abfuhrwesens. Die Hälfte der Müllautos ist defekt, weil für den Unterhalt kein Geld da ist; für die Angestellten musste Bertolaso erst einmal dreihundert Paar moderne Arbeitsschuhe ordern. Wie in Neapel herrscht auch in Palermo ein unbeschreiblicher Schlendrian im Abfuhrwesen. Die Müllbeseitigung dient in erster Linie dem Klientelismus. Palermos Stadtpräsident Diego Cammarata von der Berlusconi-Partei PDL hat allein vor den letzten Wahlen 700 Leute neu eingestellt; seit 2005 ist der Personalbestand bei der Müllabfuhr von 1800 auf 3000 Angestellte gestiegen. Die Arbeitsstellen vererben sich vom Vater auf den Sohn, so bleiben die Wählerstimmen in der Familie. Das Defizit beträgt 150 Millionen Euro; derweil leistete sich das „Management“ auf Kosten der Stadt Luxusreisen nach Dubai.

Während Neapel und Kampanien seit Jahren von der Linken regiert werden, sind Sizilien und Palermo alte Hochburgen der rechten Berlusconi-Koalition. Das hatte zur Folge, dass die vom Regierungschef kontrollierten eigenen und staatlichen TV-Sender bisher so gut wie gar nicht über den neuen Müllskandal berichteten. Wer sich informieren wollte, musste linke oder neutrale Zeitungen lesen.

Die Bilder der Müllhalden in Neapel, die vor einem guten Jahr über die TV-Bildschirme der ganzen Welt geflimmert und von den Italienern als nationale Schande empfunden worden sind, haben nicht unwesentlich zum Sturz der damaligen Mitte-links-Regierung von Romano Prodi beigetragen. Der neuen Regierung von Silvio Berlusconi gelang es zwar, dank kostspieliger Müllexporte vor allem nach Deutschland und der teilweisen Inbetriebnahme von wenigstens einer der vier seit Jahren geplanten Müllverbrennungsanlagen die Müllberge abzutragen. Doch die Situation bleibt kritisch: Immer wieder sammelt sich vor allem in der verwahrlosten Umgebung Neapels der Abfall in den Straßen.Dominik Straub

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