Streit um neues Konzept : Leitung der Odenwaldschule überraschend gefeuert

Völlig überraschend ist die Leitung der Odenwaldschule gefeuert worden. Hintergrund ist ein Streit um ein neues Konzept, mit dem sexueller Missbrauch künftig verhindert werden soll.

Kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: die Odenwaldschule. Foto: dpa
Kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: die Odenwaldschule.Foto: dpa

Die wegen Missbrauchsskandalen umstrittene Odenwaldschule im hessischen Heppenheim wechselt überraschend ihre Spitze aus. Wie eine Sprecherin sagte, werden wegen eines Streits über die Neuausrichtung der Schule gleich drei Personen in leitenden Positionen vor die Tür gesetzt: Schulleiter Siegfried Däschler-Seiler, Internatsleiterin Juliana Volkmar sowie Geschäftsführer Meto Salijevic. Das habe der Trägerverein als entscheidendes Gremium „in großer Einigkeit und mit überwältigender Mehrheit“ beschlossen.

Die Odenwaldschule stehe aber nicht ohne Leitung da. „Alle Vertretungsregelungen greifen“, sagte die Sprecherin. Zuvor hatte bereits der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), von personellen Konsequenzen an der Schule gesprochen. An der Odenwaldschule waren 2010 lange vertuschte sexuelle Übergriffe an die Öffentlichkeit gelangt. 2014 gab es neue Verdächtigungen. Aufsichtsbehörden erhöhten den Druck auf die Schule, die sich schließlich zu einem neuen Konzept entschloss.

Odenwaldschule sucht Gespräch mit den Behörden

Die Odenwaldschule will jetzt das Gespräch mit den Aufsichtsbehörden suchen. „Wir wollen uns über unsere geplante Neuausrichtung eng abstimmen“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Danach stünden die nächsten Schritte fest. „Alles andere würde hier vorgreifen.“ An einem Treffen in der nächsten Woche unter anderem mit Vertretern aus zwei Ministerien und dem Landkreis Bergstraße werde festgehalten.

Das neue Konzept sieht vor, dass Lehrer in den als „Familien“ bezeichneten Internatsgruppen nicht zusätzlich die Rolle als Betreuer übernehmen. Für diese Aufgabe sollen Sozialpädagogen eingestellt werden. Damit würden Schule und Internat strikt getrennt. (dpa)

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