Welt : Streithähne bleiben hart

NAME

Auerbach (dpa). Einen einheitlichen deutschen Sauerbraten gibt es nicht. Davon ist jedenfalls ein Gerichtssachverständiger des Amtsgerichts Auerbach im Vogtland überzeugt. Der Kochausbilder musste am Mittwoch zu einem höchst delikaten Fall sprechen. Antje Tremel, Wirtin des Mylauer „Schützenhauses“, hat, wie berichtet, einen Gast verklagt, der ihr Sauerbratengericht bemängelte und deshalb den Preis von rund sieben Euro nicht zahlte.

Seit Monaten muss sich deshalb das Amtsgericht mit der Frage herumplagen, wie ein vogtländischer Sauerbraten mittlerer Art und Güte beschaffen sein muss. Ein Urteil wird für Freitag erwartet. Auch am Mittwoch beharrten die beiden Streithähne auf ihrer Meinung: Der Gast bemängelte die Beschaffenheit von Soße und Rotkraut mit den Worten „zu hell, zu dünn, zu weich.“ Außerdem habe die mehlige Soße nach Schwein geschmeckt. Die in ihrer Ehre gekränkte Wirtin bestand darauf, einen echten vogtländischen Sauerbraten kredenzt zu haben. Der Sachverständige musste Zuhörer enttäuschen, die auf ein regional typisches Sauerbraten-Rezept warteten: „Einen Sauerbraten kann man unterschiedlich zubereiten, und der Geschmack kann unterschiedlich beurteilt werden. Nach allem, wie es beschrieben wurde, müsste eigentlich ein Sauerbraten mittlerer Güte als Ergebnis herausgekommen sein.“ Dennoch gab es viel Lehrreiches: So kann Rotkohl unterschiedliche Farben haben – je nach Alter und Zubereitung. „Wenn man Salz hinzugibt, wird das Kraut blauer und heller. Wenn man mit Essig nachwürzt, kriegt es ein kräftigeres Rot.“ Die vom beklagten Gast bemängelte Farbe der Soße könnte vom Soßenkuchen stammen, mit dem die Sauerbratenflüssigkeit traditionell im Vogtland gebunden werde, meinte der Experte. „Da gibt es hellere und dunklere Sorten“, sagte er und holte eine kleine Auswahl aus seiner Aktentasche, die er dem Richter präsentierte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben