Stromausfall : Dunkelheit made in Germany

Ein Spannungsabfall im deutschen Stromnetz hat am Samstagabend in weiten Teilen Westeuropas die Lichter ausgehen lassen. Die Ursache lag möglicherweise in der Abschaltung einer Leitung über der Ems.

München - Millionen Menschen saßen plötzlich im Dunkeln, als gegen 22.10 Uhr für bis zu anderthalb Stunden in weiten Teilen Deutschlands sowie in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien der Strom ausfiel. Zu schweren Zwischenfällen kam es dabei laut Polizei nicht. Nach ersten Erkenntnissen des Stromanbieters Eon sind die Ausfälle auf eine Überlastung im nordwestdeutschen Netz zurückzuführen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte eine rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verlangte von den Stromkonzernen, mehr in den Ausbau der Netze zu investieren.

In Deutschland waren nach Polizeiangaben vor allem Teile Nordrhein-Westfalens und nahezu alle bayerischen Regierungsbezirke betroffen. Im Norden von Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in Teilen Baden-Württembergs saßen die Menschen ebenfalls vorübergehend im Dunkeln. Polizei und Feuerwehren registrierten binnen kurzer Zeit Tausende von Anrufen.

Passagiere der Kölner Rheinseilbahn mussten während des Stromausfalls in luftiger Höhe ausharren. Bundesweit blieben Menschen mit Aufzügen stecken, Ampeln fielen aus, Alarmanlagen und Brandmelder wurden fälschlicherweise ausgelöst und hielten die Rettungskräfte im Dauereinsatz. Tausende Bahnreisende mussten Verspätungen hinnehmen. Die europäische Stromversorgung ist zum Teil grenzübergreifend verbunden, um schwerwiegende Ausfälle in einem Land ausgleichen zu können

Ursache möglicherweise in Niedersachsen

Der Ausfall steht nach Angaben des stellvertretenden Sprechers der Eon Energie AG, Theodorus Reumschüssel, möglicherweise in Zusammenhang mit der Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über der Ems. Die Abschaltung sei wegen der Durchfahrt eines Kreuzfahrtschiffs der Meyer Werft in Papenburg erfolgt.

Reumschüssel betonte, das Netz sei nach der Abschaltung eine halbe Stunde lang stabil geblieben. Offensichtlich sei es zu einer akuten Störung gekommen, deren Ursache noch ungeklärt sei. Er lehnte eine Diskussion über eine mögliche Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen vor Abschluss der Untersuchungen ab und betonte, in Deutschland bestehe eine "sehr hohe" Versorgungssicherheit. Ein RWE-Sprecher schätzte den Zwischenfall als "nicht ernst" ein.

Dessen ungeachtet wurde von Seiten der Politik Kritik an den Stromkonzernen laut. Glos betonte, Stromausfälle dieser Art seien nicht nur ein Ärgernis, sondern stellten für die Wirtschaft ein erhebliches Risiko dar. Sein Ministerium werde von Eon einen Bericht über die Netzstörung erhalten. "Wir werden diesen Bericht zügig analysieren, um gemeinsam mit den Unternehmen sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle wenn irgend möglich nicht wiederholen", sagte Glos. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums nahmen Fachleute der Energieaufsicht am Sonntag Kontakt mit Eon und RWE auf.

Gabriel fordert Ausbau des Stromnetzes

Gabriel betonte, der Vorfall unterstreiche die Notwendigkeit, "dass die Energieversorger ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen und ein leistungsfähiges Stromnetz gewährleisten". Die Konzerne sollten ihre "hohen Gewinne maßgeblich" für Investitionen in das Stromnetz einsetzen. Er erwarte eine klare Verpflichtung zum Netzausbau und die Vorlage eines Zeitplans, dessen Einhaltung regelmäßig überprüft werde.

Der Bund der Energieverbraucher warnte, die Versorgungssicherheit sei nicht mehr gewährleistet. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf den Stromkonzernen vor, zu wenig für die Verbraucher zu tun. (Von Nina Jerzy, ddp)

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