Studie : Deutsche haben Angst vor steigenden Kosten

Mehr als 75 Prozent der deutschen Bevölkerung hat Bedenken wegen der steigenden Lebenshaltungskosten. Das hat eine Studie einer Versicherung ergeben. Danach fürchten die Deutschen, sich nicht mehr so viel leisten zu können. Angst vor Terror haben die Bundesbürger allerdings nicht mehr.

Stefan Säemann[ddp]

BerlinDie Deutschen fürchten mehr als je zuvor um ihren Lebensstandard. "Für mehr als drei Viertel der Bürger bereiten die steigenden Kosten fürs tägliche Leben, gerade für Energie und Lebensmittel, die allergrößte Sorge", sagte die Sprecherin der R+V Versicherung, Rita Jakli, bei der Vorstellung der Studie "Die Ängste der Deutschen 2008" am Donnerstag in Berlin. Im Vergleich zum Vorjahr sei diese Angst "dramatisch" gestiegen. Mit 76 Prozent habe diese den höchsten Wert seit Beginn der jährlich durchgeführten Untersuchung im Jahr 1990 erreicht.

Platz eins: Verschlechterung der Wirtschaftslage

Neben der Sorge um die wachsenden Lebenshaltungskosten nannten die Deutschen auf die Frage, was ihnen besonders Angst bereitet, vor allem: Verschlechterung der Wirtschaftslage (58 Prozent), Naturkatastrophen (58 Prozent), Pflegefall im Alter (53 Prozent), schwere Erkrankungen (51 Prozent), Überforderung von Politikern (49 Prozent) und eigene Arbeitslosigkeit (48 Prozent). Kaum noch eine Rolle im Angstranking spielt dagegen die Furcht vor Terroranschlägen.

Die starke Befürchtung einer Verschlechterung der Wirtschaftslage trotz Konjunkturphase stehe im Zusammenhang mit den explodierenden Preisen, erklärte der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt. "Die Kostenangst färbt auf die Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage ab." Preisstabilität sei in Deutschland nach wie vor ein "sehr hohes wirtschaftliches Gut".

Im mehrjährigen Vergleich sei abzulesen, dass sich das Angstniveau synchron zur Wirtschaftslage entwickelt, erläuterte Jakli. Besonders angestiegen sei es Mitte der 90er Jahre zu Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit sowie zwischen 2003 und 2005, als die Politik den Umbau der Sozialsysteme diskutierte.

Deutsche fürchten sich vor dem Alter

Dass die Deutschen sich so arg vor Naturkatastrophen fürchteten, hänge mit der Zunahme an schweren Unwettern zusammen, sagte Jakli. Auffallend sei, dass diese Angst bei den Westdeutschen auf dem zweiten Platz rangiere (61 Prozent), bei den Ostdeutschen auf Platz neun (46 Prozent). Politologe Schmidt sagte, umweltpolitische Themen seien im Bewusstsein der Westdeutschen seit der Ökobewegung der 70er-Jahre stärker präsent als bei den Ostdeutschen. Ansonsten aber hätten sich die Ängste im Ost und West inzwischen angeglichen, ergänzte Jakli. "Möglicherweise werden wir schon in der Studie 2009 auf diese Differenzierung verzichten."

Die Sorge, im Alter ein Pflegefall zu werden, wird sich nach Prognosen des Politologen Schmidt in Zukunft noch ausweiten. "Da Deutschland zusehends überaltert, sind die Ängste vor dem Pflegefall-Risiko ganz real", sagte er. Anfang der 90er Jahre sorgte sich hierum nur jeder fünfte Bürger, heute jeder Zweite.

Keine Angst vor Terror

"Unbedeutend" dagegen ist für die Deutschen laut Jakli inzwischen die Angst vor dem Terror. Unter dem Eindruck der Anschläge von New York und Madrid war sie in den vergangenen Jahren besonders stark ausgeprägt. Der Rückgang sei auch darauf zurückzuführen, dass die Medien in ihren Berichten über Terror heute weniger dramatisierten.

Der Politikwissenschaftler bejahte zwar, dass die Deutschen sich "auf hohem Niveau sorgten". Ein Volk von Angsthasen seien sie dennoch nicht. "Die Deutschen haben ein hohes Sicherheitsdenken", erklärte er. Daraus resultierten die hohen Erwartungen an den Staat. Für die Angststudie werden jährlich 2400 Bürger nach ihren 16 größten Ängsten befragt. Dabei antworten sie auf einer Skala von eins (keine Angst) bis sieben (große Angst).

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