Studie : Fast jeder dritte Schüler wird Mobbingopfer

15 Prozent befragter Kinder und Jugendlicher haben zugegeben, einem Klassenkameraden schon einmal Gewalt angetan zu haben. Fast jeder dritte Schüler war bereits Opfer von Schikanen.

LüneburgDas sind Ergebnisse einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg. Die Hochschule hat im Auftrag der Krankenkasse DAK 1859 Schüler zwischen zehn und 18 Jahren nach ihren Erfahrungen in den vergangenen drei Monaten gefragt. Die Schüler stammen von Haupt- und Realschulen sowie jeweils zwei Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsbildenden Schulen in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Danach sind 31,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen an weiterführenden Schulen mindestens einmal schikaniert worden. 9,7 Prozent haben körperliche Gewalt erlebt. 37,2 Prozent der Befragten sehen sich selbst als Täter, 15 Prozent sind sogar gewalttätig geworden. Darunter besonders häufig Jungen: 21,5 Prozent

Mobbing und Gewalt haben weitgehende Folgen. 14 Prozent der Opfer gaben an, unter regelmäßigen Beschwerden zu leiden wie Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen sowie Schlaflosigkeit. In der Vergleichsgruppe der nicht betroffenen Schüler waren das nur vier Prozent.

Auch das Sozialverhalten von Mobbingopfern verändert sich. 30 Prozent gaben an, sich eher zurückzuziehen und zu versuchen, ihre Probleme zu verbergen. Zwölf Prozent unternehmen nie oder selten etwas mit Freunden, unbeschwerte Schüler verhalten sich nur in 4,3 Prozent der Fälle so zurückhaltend. Außerdem schätzten Gemobbte ihre Leistungsfähigkeit oft schlechter ein und seien häufiger unzufrieden mit ihrem Aussehen. Zur Bewältigung griffen sie häufig zu Zigaretten oder Alkohol, sagte Uni-Pädagogin Silke Rupprecht.

"Es ist ganz interessant zu wissen, dass die Täter häufig auch Opfer sind", erklärte die Pädagogin. In der Befragung
hätten sie häufiger bemängelt, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugten und sich weniger zufrieden mit den eigenen
Schulleistungen gezeigt.

Um Mobbing zu verhindern, sollten Schulen Klassenregeln und Konsequenzen für Verstöße festlegen, riet Rupprecht. Dabei sollten die Schüler einbezogen und zu ihren Erfahrungen befragt werden. "Es muss eine klare Ansage geben, dass so etwas nicht geht, Übergriffe müssen geahndet werden", sagte die Wissenschaftlerin. "Jedes Kind hat ein Recht, sicher zur Schule zu gehen."

ZEIT ONLINE, sp, dpa

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