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Studie im Auftrag der Vereinten Nationen : Jeder vierte Mann in Asien-Pazifik-Region ein Vergewaltiger

Im Auftrag der Vereinten Nationen wurden 10.000 Männer von Bangladesch bis Sri Lanka zum Thema Vergewaltigung und Gewalt in der Partnerschaft befragt. Das Ergebnis schockiert. Erst am Dienstagmorgen wurden vier Inder schuldig gesprochen.

Stiller Protest: In Kalkutta demonstrieren Frauen gegen sexuelle Gewalt.
Stiller Protest: In Kalkutta demonstrieren Frauen gegen sexuelle Gewalt.Foto: dpa

Im Prozess um die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin sind die vier Angeklagten in Indien der Vergewaltigung und des Mordes schuldig gesprochen worden. Das Urteil verkündete am Dienstag der zuständige Richter in Neu Delhi. Die Männer hatten Mitte Dezember eine 23-jährige Studentin in der Hauptstadt Neu Delhi vergewaltigt und vor den Augen ihres Freundes so schwer misshandelt, dass sie später starb.

Vergewaltigungen sind in der Asien-Pazifik-Region erschreckend weit verbreitet. Etwa jeder vierte Mann habe dort schon einmal seine eigene oder eine andere Frau vergewaltigt, berichten Forscher nach der ersten groß angelegten Studie dieser Art am Dienstag in der Medizin-Zeitschrift „The Lancet“. Sie entstand im Auftrag der Vereinten Nationen. Dafür wurden insgesamt 10.000 Männer bis 50 Jahre in Bangladesch, Kambodscha, China, Indonesien, Papua-Neuguinea und Sri Lanka befragt.

Fast ein Viertel der Männer räumte demnach ein, mindestens einmal eine Frau zum Sex gezwungen zu haben. In vielen Fällen handelte es sich um Vergewaltigungen in der Partnerschaft. Aber jeder zehnte Mann gab zu, auch schon eine Frau vergewaltigt zu haben, die nicht seine Partnerin war. Fast die Hälfte der Männer bekannte sich als Mehrfachtäter. Besonders eklatant war die Situation in Bougainville in Papua-Neuguinea. Dort sagten 27 Prozent der Männer, sie hätten schon andere als ihre Ehefrauen oder Partnerinnen vergewaltigt.

Fast Dreiviertel der Männer gaben dem Bericht zufolge als Grund für die Gewalt an, Sex stehe ihnen schließlich zu. 60 Prozent meinten, sie hätten es zur Unterhaltung getan und 38 Prozent, um eine Frau zu bestrafen. Die Forscher fanden heraus, dass Männer, die selbst als Kinder sexuell missbraucht wurden, öfter zu Vergewaltigern wurden als solche, die das in der Kindheit nicht erlebt hatten. „Präventionsmaßnahmen brauchen langfristige Strategien“, schrieb Autorin Rachel Jewkes vom Medizinischen Forschungsrat Südafrikas. „Tief in kulturellen Idealen und Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterhierarchie verhaftete Verhaltensweisen müssen infrage gestellt werden.“

Ein zweites Forschungsteam untersuchte die Gewaltbereitschaft der Männer. Es war überrascht über das Ergebnis: „Körperliche Gewalt geht nicht immer einher mit Vergewaltigung“, berichtete die Autorin Emma Fulu von dem UN-Netzwerk Partner für Prävention in Bangkok. „Man nahm bislang an, dass körperliche und sexuelle Gewalt Teile des gleichen Verhaltensmusters sind, aber das ist nach unseren Recherchen nicht unbedingt der Fall.“ Fast die Hälfte aller Männer gab zu, die Ehefrau oder Partnerin schon mal geschlagen oder getreten zu haben.

Das UN-Netzwerk Partner für Prävention besteht aus mehreren UN-Organisationen. Sie legten auf Basis der wissenschaftlichen Analyse einen Bericht vor, der vor allem die Gründe der Männer für ihr Verhalten untersucht und Vorschläge macht, wie das Verhalten verändert werden kann. (dpa, AFP)

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