Studie : Ungleiche Chancen

In Deutschland sind Frauen bei der Bildung und der wirtschaftlichen Teilhabe benachteiligt. Die Gleichberechtigung kommt zwar voran, aber langsamer als in anderen Ländern, zeigt eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums.

Moritz Döbler

Berlin - Deutschland verliert bei der Gleichberechtigung von Frauen international den Anschluss. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Weltwirtschaftsforums, für die 128 Länder verglichen wurden. Deutschland rutschte in dem jährlich erhobenen Ranking von Platz fünf auf sieben ab und wurde von Neuseeland und den Philippinen überholt. Weiterhin am wenigsten benachteiligt werden Frauen in den vier nordischen Ländern Schweden, Finnland, Norwegen und Island.

Die Studie zeigt, dass die Gleichberechtigung in Deutschland zwar vorankommt, aber langsamer als in anderen Ländern. Diesmal erzielt Deutschland einen Wert von 76,2 Prozent, während es im Vorjahr noch ein Prozentpunkt weniger war. Statistisch gesehen würden 100 Prozent die vollständige Gleichberechtigung bedeuten. Neuseeland und die Philippinen weisen eine stärkere Verbesserung als Deutschland auf. Spitzenreiter Schweden hält sich trotz minimaler Fortschritte auf Platz eins. Den größten Sprung machen Lettland und Litauen, die auf Platz 13 und 14 vorrücken, während die USA – vor allem wegen der großen Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen – um sechs Plätze auf Rang 31 abstürzen.

Letztlich geht es bei den Daten nicht nur um Gleichberechtigung, sondern auch um Wohlstand insgesamt: „Unsere Arbeit zeigt eine starke Korrelation zwischen Wettbewerbsfähigkeit und dem Geschlechterkluft-Ranking“, sagte Laura Tyson, Wirtschaftsprofessorin an der US-Universität Berkeley, die an der Studie mitgewirkt hat.

Die Studie befasst sich mit vier Schwerpunkten: wirtschaftlicher Teilhabe, Bildungsstand, Gesundheit und politischer Teilhabe. Vor allem der vierte Aspekt verhindert, dass Deutschland abstürzt: Die relativ vielen aktiven Politikerinnen im Land bringen Deutschland hier auf Rang sechs. Bei der Gesundheit kommt Deutschland nur auf Platz 56, bei der Bildung auf Platz 35 und in Sachen wirtschaftliche Teilhabe ebenfalls nur auf Platz 29. Insgesamt fließen mehr als 30 Einzelindikatoren in die Studie ein, die sich auf amtliche Daten stützen.

Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, bezeichnete die Ergebnisse eine Herausforderung für alle Kulturen. „In dem Maße, in dem sich Politik und Wirtschaft vermehrt des globalen Fachkräftemangels bewusst werden, ergibt sich eine erhöhte Notwendigkeit, bestehende Chancenungleichheiten zwischen den Geschlechtern auszuräumen und alle Talentpotenziale zu erschließen“, sagte Schwab.

Die Hauptautorin der Studie, Saadia Zahidi, erläuterte, dass die Länder mit den besten Ergebnissen die Kluft zwischen den Geschlechtern zu rund 80 Prozent schließen konnten, während es im Jemen am anderen Ende der Skala nur 45 Prozent sind. Die Daten sollten Entscheidungsträger sensibilisieren, sagte sie.

Details im Internet unter

www.weforum.org/gendergap

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