• Studie untersucht Sexualverhalten von Jugendlichen - Es beginnt mit einem Blick

Welt : Studie untersucht Sexualverhalten von Jugendlichen - Es beginnt mit einem Blick

Simone Leinkauf

Wer an das berühmte "erste Mal" denkt, hat in der Regel romantische Vorstellungen im Kopf, auch wenn diese mit der Realität nur selten etwas zu tun haben. Obwohl, so ein bisschen Romantik darf auch in modernen Zeiten sein: Mit "Schau mir in die Augen, Kleines" steht ganz nach dem Motto der berühmtesten Liebesszene der Leinwand ein intensiver Blickkontakt noch immer am Anfang sexuellen Begehrens, gefolgt von einer Einladung zum Essen oder ins Kino. Jedenfalls behauptet das der neue "Durex Global Sex Survey", der in diesem Jahr das Verhalten der 16- bis 21-Jährigen unter die Lupe nimmt.

4200 junge Erwachsene in 14 Ländern von Singapur bis Kanada wurden dazu befragt. In diesem Jahr erstmals auch Jugendliche, die noch keine näheren Erfahrungen mit dem anderen - oder auch dem eigenen - Geschlecht haben. Dabei gehen noch immer über 70 Prozent der Männer davon aus, dass sie den ersten Schritt zu machen haben, auch wenn nur 43 Prozent das gerne tun. Der Rest würde sich viel lieber von der holden Weiblichkeit umgarnen lassen. Und die tut ansonsten auch eine Menge dazu, um deutlich zu machen, dass im Zeitalter der Girlies die jungen Frauen auf dem Vormarsch sind: Sie haben im Durchschnitt mehr Sex im Jahr (104-mal) als Männer (93-mal), und entgegen allen Vorurteilen und früheren Untersuchungen haben mehr junge Frauen Interesse an der eigenen Befriedigung (44%) als junge Männer (32%).

Gemein ist allerdings Männlein wie Weiblein, dass die Befriedigung des Partners Vorrang hat. Und hier sind die jungen Leute sogar deutlich altruistischer, als man es von dieser Generation gemeinhin erwartet: Gegenüber den 45 Prozent der 16- bis 45-Jährigen aus der letztjährigen Untersuchung stehen nun 62 Prozent bei den 16- bis 21-Jährigen, denen die sexuelle Befriedigung des Partners wichtiger ist als die eigene. In anderer Hinsicht werden die gängigen Vorstellungen über das Paarungs-Verhalten der Jugendlichen durch die Untersuchung jedoch bestätigt: Weltweit erleben die Kids das erste Mal in immer jüngeren Jahren und wechseln die Partner auch häufiger.

Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede: Junge Nordamerikaner und Westeuropäer haben mit 15 Jahren am frühesten Sex, Deutschland befindet sich mit 15,6 Jahren hinter Großbritannien (15,3) und vor Frankreich (15,9). Am anderen Ende der Skala befinden sich Jugendliche aus Ost- und Südeuropa und aus Südostasien - in Taiwan warten die jungen Leute gar bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Auffallend ist, dass allein in den letzten fünf Jahren das durchschnittliche "Einstiegsalter" von knapp 17 Jahren bei den befragten 21-Jährigen auf 14,3 Jahre bei den heute 16-Jährigen gefallen ist.

Ganz nach der Devise "früh übt sich, wer ein Meister werden will", sind die, die früher anfangen auch in späterem Alter im Bett deutlich aktiver. Da mag manch einer neidisch werden: Wer im zarten Alter von 13 die ersten sexuellen Erfahrungen macht, hat durchschnittlich 153-mal im Jahr Sex. Bei "Einsteigern" mit 16 sinkt die durchschnittliche Jahreshäufigkeit auf 86-mal. Deutschland liegt unabhängig vom Einstiegsalter mit 116 Bettkontakten bei den jungen Leuten hinter Großbritannien (133) und den USA (128) auf Platz drei, während Singapur mit 63-mal das Schlusslicht bildet. Kultur und Religion haben also immer noch ihren Einfluss.

Bedenklich stimmt den objektiven Beobachter die Leichtfertigkeit, mit der eine Ansteckung durch Geschlechtskrankheiten oder HIV, oder auch nur eine ungewollte Schwangerschaft riskiert wird. Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch schwach: Kondome haben zwar die meisten in der Tasche - nur verwenden tun sie diese nicht. Rund 43 Prozent verzichten aus Leichtsinn oder auch Ungeschicklichkeit beim ersten Mal auf ein Kondom - wobei in diesem Fall Thailand trotz der weiten Verbreitung von käuflichem Sex mit nur 23 Prozent einsam an der Spitze steht. Das ist eine Tatsache, die den Untersuchern - Durex ist ja immerhin der größte Kondomhersteller - sicherlich nicht in den Kram passt. Unabhängig von der Besorgnis über mögliche Ansteckungen gibt es hier ein ökonomisches Interesse. Das kann nur heißen, dass Eltern den Nachwuchs besser aufklären müssen, zumal die meisten Jugendlichen diesbezügliche Informationen am liebsten von den Eltern bekämen.

Und wenn das Interesse dann erlischt? Dann tun die heutigen Kids noch das gleiche, wie vor zwanzig Jahren. Sie flirten vor dem Noch-Partner mit anderen und ignorieren den Liebsten beständig, in der Hoffnung, dass dieser sich dann von dannen macht. Von einem offenen Wort halten auch die ansonsten wahrlich nicht auf den Mund gefallenen Jugendlichen nicht allzu viel.

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