Studiengebühren : Kind gefällig?

Kind gegen Kohle fürs Studium - eine satirische Aktion von Studenten der Theaterakademie in Hamburg ist seit dem 12. Februar online. Womit Studenten gegen die Studiengebühren protestieren.

Torben Waleczek

„Mein Samen ist von Gott“, schreibt Gernot G., 29 Jahre alt und 187 cm groß. Gernot will sein kostbares Akademikersperma hergeben – wenn ihm dafür jemand die Studiengebühren zahlt, 500 Euro sind das pro Semester. Das Angebot findet sich auf der Internetseite Studentenbaby.de, zusammen mit den Profilen von acht weiteren willigen Samenspendern und sechs potenziellen Leihmüttern. „In meinem Bauch ist noch Platz“, schreibt eine dieser jungen Frauen. Kind gegen Kohle fürs Studium – eine satirische Protestaktion von Studenten der Theaterakademie in Hamburg, online seit dem 12. Februar.

In Hamburg, wo im letzten Sommersemester Gebührenproteste stattfanden, werben die Studenten auch mit Flugblättern für ihr Projekt, darauf der Slogan: „Wir schenken Ihnen ein Kind, Sie schenken uns Zukunft.“ Auf den ersten Blick sieht das alles ganz ernst gemeint aus. In ein professionell gestaltetes Bewerbungsformular auf der Webseite sollen potenzielle Kunden ihre Blutgruppe eintragen, ihre Lebensgewohnheiten und chronischen Krankheiten. Die Studenten wiederum, die ihre Fortpflanzungsdienste gegen Bares anbieten, berichten über ihre ethnische Abstammung, ihre Hobbys und ihren Intelligenzquotienten. Ausführlich erklärt werden auch die medizinischen Hintergründe von Leihmutterschaft und künstlicher Befruchtung. Erste Interessenten haben sich angeblich schon gemeldet – mit sehr genauen Vorstellungen. „Auf eine Kundenanfrage hin“, heißt es auf der Seite, „sind wir aktuell auf der Suche nach einer rothaarigen Leihmutter mit grünen Augen.“ Auch Bewerber aus anderen Bundesländern sollen schon angefragt haben, berichten die Macher des Angebots dem Tagesspiegel.

Wer jedoch etwas genauer hinschaut, erkennt schnell, dass die Seite ein Scherz ist. Im Impressum findet sich nur eine E-Mail-Adresse, wer den Inhalt verantwortet, wird nicht deutlich. Zum Hintergrund der Aktion heißt es: „Der künstlerische Protest richtet sich gegen die Materialisierung von Bildung, der auf diesem Wege die Materialisierung von Körper und Erbgut entgegengesetzt wird.“ Die aktuelle Hamburger Gebührenpolitik dränge ihn zu diesem Schritt, schreibt Benedikt G.

Im Gästebuch vermerkt ein Besucher: „Ob es was nützt, bleibt dahingestellt. Aber wenigstens bringt es mal neuen Schwung in die Diskussion!“ In Frankreich sorgt derzeit die Nachricht für Entsetzen, dass sich geschätzte 40 000 Studentinnen zur Finanzierung ihres Studiums prostituieren. In Deutschland dagegen spielten die Studiengebühren zuletzt kaum eine Rolle in der öffentlichen Debatte. Selbst wenn die Studenten ihr Angebot ernst meinen würden – Leihmutterschaften sind hierzulande verboten.

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