Welt : Stürzt jetzt alles ein?

Es kracht weiter im Pariser Flughafen – nun ist das ganze neue Terminal gesperrt

Sabine Heimgärtner

Paris - Der Horror am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ist offenbar noch nicht zu Ende. Einen Tag nach dem Unfall, bei dem ein Teil des neuen Terminals 2E herabgestürzt ist und vier Menschen in den Tod gerissen hat, wurden in dem Gebäude gestern erneut knirschende und krachende Geräusche wahrgenommen. Stürzt das gesamte Terminal ein? Die Sicherheitskräfte evakuierten am Montag das gesamte Terminal. Der Flugverkehr ist davon nach Angaben der Flughafenangestellten nicht betroffen. Es sei gelungen, alle Flüge pünktlich von anderen Terminals aus abzufertigen.

Inzwischen arbeitete ein 15-köpfiges Spezialistenteam weiterhin auf Hochtouren, um den Grund für das Unglück zu finden, das sich am Sonntagmorgen kurz vor sieben Uhr ereignete. „Wir haben noch keine Fährte“, sagte Pierre Graff, der Direktor der Flughafenbetreibergesellschaft. Er bestätigte erste Medienmeldungen, dass das modernste Pariser Flughafenterminal, das erst im vergangenen Juni eingeweiht wurde, womöglich ganz abgerissen werden müsse. „Wenn die Teilringe, aus denen das Terminal zusammengesetzt ist, nicht repariert werden können, werden wir selbstverständlich alles niederreißen“, sagte Graff.

Der Ort der Katastrophe glich auch 48 Stunden nach dem Einsturz des 30 Meter langen Teilstücks der zylinderförmigen Durchgangshalle dem Schauplatz eines Erdbebens. Riesige Glasplatten, Stahlträger und tonnenschwere Betonstücke waren in sich zusammengefallen und auch am Montag noch nicht weggeräumt.

Bestürzung herrscht auch bei dem Architekten der Abfertigungshalle, Paul Andreu. Von Peking aus, wo Audreu ein großes Nationaltheater errichtet, sagte der Architekt, dass für die Halle 2E gängige Baumaterialien wie Beton, Stahl und Glas verwendet worden seien. Er verfüge über „keinerlei Hinweise“, die eine Vermutung über die Unglücksursache zuließen. Die 650 Meter lange Halle, an der 17 Flugzeuge andocken konnten, hatte 750 Millionen Euro gekostet, galt als „Vorzeige-Bauwerk“ und wurde von den Pariser Flughafenbetreibern sowie Air France als „wichtiger Trumpf“ bei der Entwicklung des Flughafens zu einer der wichtigsten internationalen Drehscheiben des Luftverkehrs angepriesen. Mit der hochmodernen Halle war es möglich geworden, jährlich bis zu sechs Millionen Reisende mehr abzufertigen als bislang, vor allem im Transitverkehr. Probleme gab es allerdings bereits bei der Inbetriebnahme: Statt am 17. Juni wurde das gläserne Bauwerk erst eine Woche später eröffnet, weil eine Sicherheitskommission nicht näher benannte technische Mängel beanstandete.

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