Welt : Sturm aufs Bier

Das Oktoberfest feiert 200. Geburtstag

München - „O’zapft is“! Das Münchner Oktoberfest hat begonnen. Mit nur zwei Schlägen zapfte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Samstag das erste Bierfass an und eröffnete damit das größte Volksfest der Welt, das in diesen Wochen sein 200-jähriges Bestehen feiert. Mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stieß Ude auf eine friedliche Wiesn 2010 an – die erste frisch gezapfte Maß Bier gebührt traditionell dem bayerischen Regierungschef. Ude trug Lederhosen, Seehofer nicht. „Ich bin nicht so gut gebaut wie der Oberbürgermeister“, gab der Ministerpräsident zu.

Schon vor der offiziellen Eröffnung mussten manche Bierzelte wegen Überfüllung geschlossen werden. Am frühen Morgen – vor vier Uhr – strömten die ersten Münchner zum Festgelände, die meisten festlich herausgeputzt in Dirndl oder Lederhose. Weil das Bier erst ab zwölf Uhr floss, deckten sich manche in den Läden und Buden rund um die Theresienwiese ein.

Festleiterin Gabriele Weishäupl kam zur Eröffnung stilecht im Münchner Mieder mit einer goldenen Riegelhaube. Zum Jubiläum verfolgten als Vertreter des Hauses Wittelsbach Herzog Max und Herzogin Elizabeth in Bayern das Anstich-Zeremoniell. „Beeindruckt“ war der Herzog nach eigenen Angaben, er beneide den OB aber nicht um seine Aufgabe.

Politprominenz aus Berlin fehlte in diesem Jahr zum Anstich, dafür verfolgten Schlagersänger und Volksmusikgrößen, unter ihnen Heino und seine Frau Hannelore, Karel Gott, Produzent Hans Beierlein und Ralph Siegel, die Eröffnung. Der aus dem Rheinland stammende Heino freilich zeigte sich nicht allzu beeindruckt: In Köln und Düsseldorf sei jeden Abend so eine Stimmung, nur „etwas kleiner halt“.

Als es noch gar kein Bier gab, gab es schon eine „Bierleiche“: Das erste Alkoholopfer auf dem Oktoberfest mussten Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) bereits vor der Eröffnung behandeln – obwohl noch gar kein Bier ausgeschenkt wurde. Ein 19-jähriger Münchner sei am Samstagmorgen um 10 Uhr 15 vor einer Festhalle zusammengebrochen, sagte der Sprecher der Sanitätsstation, Gisbert Frühauf. Die erste Maß auf dem größten Volksfest der Welt gibt es traditionell erst, wenn der Oberbürgermeister um zwölf Uhr das erste Fass angezapft hat. Wahrscheinlich stellte der 19-Jährige damit einen traurigen Rekord auf: So früh wurde in den vergangenen Jahren noch keine „Bierleiche“ gemeldet. „Es hat sich herausgestellt, dass er die ganze Nacht im Kunstpark Ost gefeiert hatte“, erläuterte Frühauf. „Er hat sich zu viel zugetraut.“ Seit einigen Jahren kommen die jungen Wiesnfans oft „vorgeglüht“ nach durchgemachter Nacht auf das Volksfest – vor allem am Wochenende sind manche schon Stunden vor Öffnung der Zelte da.

Das größte Volksfest der Welt entstand aus der prunkvollen Hochzeit von Kronprinz Ludwig aus dem Geschlecht der Wittelsbacher und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Oktober 1810, das mit einem Pferderennen endete. Rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt werden an 17 Festtagen auf der Wiesn erwartet. dpa

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