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Sturm erreicht New York : Bereits zehn Tote durch Hurrikan "Irene"

Die Zahl der Toten durch Hurrikan „Irene“ in den USA ist auf zehn gestiegen. Die Ausläufer des Hurrikans "Irene" haben am frühen Sonntagmorgen (MEZ) New York erreicht.

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In Kill Devil Hills in North Carolina sorgt "Irene" für Überschwemmungen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
27.08.2011 22:00In Kill Devil Hills in North Carolina sorgt "Irene" für Überschwemmungen.

Die meisten Opfer wurden von entwurzelten Bäumen, herabfallenden Ästen oder herumfliegenden Trümmerteilen erschlagen, wie der Nachrichtensender CNN am Sonntag berichtete.

Allein fünf Todesopfer habe es in North Carolina gegeben, drei weitere in Virginia. In Queenstown im Bundesstaat Maryland sei eine Frau in ihrem Haus ums Leben gekommen, als ein umstürzender Baum den Schornstein traf und durch das Dach drückte. Auch der Tod eines 55 Jahre alten Surfers bei starkem Wellengang vor der Küste Floridas wurde „Irene“ zugeschrieben.

Die Ausläufer von Hurrikan “Irene“ haben New York erreicht. “Der Rand des Hurrikans befindet sich über uns“, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg in der Nacht auf Sonntag. Sturm und Regen dürften rasch deutlich kräftiger werden. Er forderte die Einwohner der Millionen-Metropole erneut auf, zu Hause zu bleiben.

In 8000 Haushalten fiel bereits der Strom aus. Der gefürchtete Wirbelsturm war am Samstag auf die Ostküste der USA getroffen und zog mit Windstärken von rund 130 Kilometer pro Stunde nach Norden. Durch den gewaltigen Wirbelsturm starben in den USA nach amtlichen Angaben bisher acht Menschen. 1,4 Millionen Menschen waren ohne Strom.

„Irene“ soll an der nördlichen US-Ostküste, die nur sehr selten von den tropischen Wirbelstürmen heimgesucht werden, der stärkste Sturm seit mehr als einem viertel Jahrhundert sein. „Gloria“ hatte 1985 schwere Verwüstungen angerichtet, damals war der Sturm aber bei Ebbe gekommen. „Irene“ wird nun aber auch bei Flut Wassermassen gegen die Küste drücken, deshalb wird mit schweren Überschwemmungen gerechnet. Hinzu kommt, dass Einfamilienhäuser in den USA typischerweise aus Holz sind. Damit sind sie längst kein so sicherer Schutz wie Stein- oder Betonhäuser - wobei selbst die zuweilen der Kraft der Stürme nicht gewachsen sind.

In New York waren rund 370.000 Menschen in tiefer gelegenen Gebieten zum Schutz vor Überflutungen angewiesen worden, sich in Sicherheit zu bringen. Erstmals in ihrer Geschichte wurde die New Yorker U-Bahn mit ihren 468 Stationen komplett geschlossen. Auch die 324 Buslinien der Stadt wurden eingestellt. Mehr als 10.000 Flüge wurden gestrichen, die drei Flughäfen der Stadt geschlossen. Die größte Stadt der USA glich unterdessen einer Geisterstadt, die von starken Winden und heftigen Regenfällen heimgesucht wurde. In Manhattan waren Bars und Restaurants geschlossen, Broadway und Times Square lagen verlassen da.
Die Zeit für Evakuierungen sei nun vorbei, sagte Bürgermeister Bloomberg. Wer bis jetzt sein Haus nicht geräumt habe, dem rate er, da zu bleiben, wo er sich befinde und sich von den Fenstern fernzuhalten. Zuvor hatten mehr als 370.000 New Yorker in gefährdeten Gebieten einen Evakuierungsbefehl erhalten, über 7000 Menschen waren vorsorglich aus in Küstennähe gelegenen Krankenhäusern und Pflegeheimen in Sicherheit gebracht worden. Bloomberg hatte gewarnt, dass im südlichen Manhattan möglicherweise der Strom ausfallen und es dort Überschwemmungen geben könnte. 900 Nationalgardisten und 2500 Mitarbeiter der Stromversorger wurde in Bereitschaft versetzt, um notfalls sofort eingreifen zu können.

Eine der wenigen funktionierenden New-York-Webcams sehen sie hier.

Der Hurrikan war am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern weiter in nördlicher Richtung die US-Ostküste hochgezogen. Auf seiner Route tötete er allein in North Carolina fünf Menschen. Darunter war ein 15-jähriges Mädchen, das wegen Stromausfalls einer Ampel an einer Kreuzung überfahren wurde, sowie ein Mann, der einen Herzinfarkt erlitt, als er die Fenster seines Hauses mit Brettern vernagelte. Zwei Menschen starben bei Verkehrsunfällen, ein Mann wurde von einem herabfallenden Ast tödlich getroffen.

Ein elfjähriger Junge wurde am Samstag in Newport News in Virginia von einem auf das Wohnhaus seiner Familie stürzenden Baum erschlagen. Ebenfalls in Virginia starb ein Mann, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Ein 55-jähriger Surfer starb am Freitag vor der Küste Floridas. Straßen und Flughäfen wurden geschlossen, 12.000 Telefonverbindungen unterbrochen.

Zwar wurde „Irene“ zwischenzeitlich wieder auf die unterste Hurrikanstufe herabgestuft und sollte sich auf dem Weg entlang der Ostküste weiter abschwächen. Doch dürfte der Hurrikan allein wegen seines schieren Ausmaßes schwere Schäden anrichten. Der Monstersturm hat laut einer Schätzung der US-Raumfahrtbehörde NASA aufgrund von Satellitenbildern einen Durchmesser von rund 840 Kilometern, das entspricht fast einem Drittel der Gesamtlänge der US-Ostküste.

Neben New York könnten auch andere Metropolen wie Washington, Boston und Philadelphia betroffen sein. An den dortigen Flughäfen wurden zahlreiche Flüge gestrichen, der Flughafen von Philadelphia wurde geschlossen. Der Bahnverkehr wurde ebenfalls stark heruntergefahren, und die Bahngesellschaft Amtrack wollte am Sonntag den gesamten Zugverkehr an der Ostküste einstellen.

Das auf die Berechnung von Sturmschäden spezialisierte US-Unternehmen Kinetic Analysis Corp. bezifferte die möglichen „Irene"-Schäden auf Basis von Computermodellen auf zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar.

Erste Regenfälle hatten am Samstagnachmittag (Ortszeit) den Wirbelsturm „Irene“ in New York angekündigt. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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