Welt : Sturm über der Karibik

Hurrikan „Sandy“ zog über Kuba, Jamaika, Haiti und die Bahamas hinweg – 21 Tote wurden gemeldet.

Tobias Käufer
In Not. Der Hurrikan setzte, wie hier in Port au Prince, überall auf seinem Weg weite Gebiete unter Wasser. Foto: dpa
In Not. Der Hurrikan setzte, wie hier in Port au Prince, überall auf seinem Weg weite Gebiete unter Wasser. Foto: dpaFoto: dpa

Auf den Straßen Santiago de Cubas türmen sich die Überreste der Katastrophe. Mit bloßen Händen versuchen die Menschen Ordnung in das Chaos zu bringen. Wie Fernsehbilder zeigen, sind auch die beiden Kirchturmspitzen der kolonialen Kathedrale beschädigt, auf dem Vorplatz des historischen Gotteshauses liegen umgestürzte Bäume. Mit voller Wucht hat Hurrikan „Sandy“ die Karibikinsel Kuba getroffen. Nach ersten Berichten kamen elf Menschen ums Leben, doch wer all die Trümmer in den kubanischen Provinzen Santiago de Cuba und Holguín sieht, kann sich kaum vorstellen, dass es bei dieser Zahl bleibt.

„Sandy“ sucht fast die gesamte Karibik heim – Jamaika und Haiti sind betroffen, außerdem die Bahamas. Mindestens zehn weitere Menschen verloren auf den anderen Karibikinseln bereits ihr Leben. Vor allem in Haiti herrschen chaotische Zustände. US-Meteorologen warnen, dass sich Sandy auf dem Weg Richtung US-Küste mit einem bereits existierenden nordöstlichen Tiefdrucksystem vereinigen und zu einem Monstersturm heranwachsen könnte. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami errechnete, dass dies um den 31. Oktober herum geschehen könnte. US-Medien sprachen in Anspielung auf Halloween und Frankenstein von einem drohenden „Frankensturm“.

Kubas Regimekritiker José Daniel Ferrer García berichtete der Tageszeitung „El nuevo Herald“ in Miami direkt aus dem Epizentrum der Katastrophe in Santiago de Cuba: „Die Nachrichten sind alarmierend. Viele Dächer von einfachen Gebäuden sind einfach davongeflogen und die Menschen mussten kurzfristig in anderen Häusern Schutz suchen.“ Die 36 Jahre alte Kubanerin Láquesis Bravo berichtet von apokalyptischen Zuständen: „Die Menschen sind im Morgengrauen schreiend über die Straßen gelaufen, weil überall die Dächer einstürzten.“ Dass die Auswirkungen auf Kuba diesmal so groß sind, unterstreicht die Kraft des Hurrikans. Denn eigentlich gilt Kubas Katastrophenschutz in der Region als vorbildlich. Die Menschen und Behörden auf der kommunistisch regierten Karibikinsel sind tropensturmerprobt und -erfahren. Bei Warnungen greift in der Regel ein eingespielter Schutzplan, der schon viele Leben gerettet hat. Unter anderem wurden am Donnerstag 5000 Urlauber in Sicherheit gebracht.

Weil an vielen Gebäuden in Kuba der Zahn der Zeit nagt, sind die Häuser anfälliger als früher. Rund 330 000 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen, als der Hurrikan mit rund 175 Stundenkilometern über den Osten des Landes hinwegfegte.

„Ich habe noch nie einen so starken Hurrikan erlebt“, berichtete eine Einwohnerin der Stadt Palma Soriano dem Radiosender Rebelde. „Ich dachte, das Ende der Welt sei gekommen.“ Vor allem aber die gewaltigen Wassermassen, die der Hurrikan mit sich brachte, verursachten gewaltige Schäden. Überflutungen mit meterhohen Wellen an der Küste sowie Flüsse, die sich in reißende Ströme verwandelten, richteten ein Chaos an. Präsident Raúl Castro reiste am Freitag in die Region, um sich persönlich ein Bild von der Katastrophe zu machen.

Zuletzt war Kuba im Jahr 2005 ähnlich stark getroffen worden, als Hurrikan „Dennis“ über die Insel zog.

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