Sturmflut : Stadt unter vor 50 Jahren in Hamburg

An 63 Stellen brechen die alten Deiche, ganze Stadtteile werden überflutet, 315 Menschen sterben bei der großen Sturmflut, die 1962 Hamburg ereilt.

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Die Sturmflut am 17.02.1962 gilt als größte Katastrophe der Nachkriegsgeschichte in Deutschland.Weitere Bilder anzeigen
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16.02.2012 08:55Die Sturmflut am 17.02.1962 gilt als größte Katastrophe der Nachkriegsgeschichte in Deutschland.

An jenem Freitag, dem 16. Februar 1962, nähert sich ein Orkan, „Vincinette“, mit Windstärken bis zu 12 der norddeutschen Küste. Im Radio warnen die Behörden vor einer sehr schweren Sturmflut an der Nordseeküste. Und in dieser Nacht vom 16. auf den 17. Februar vor 50 Jahren erlebt Hamburg die schlimmste Sturmflut der Stadtgeschichte. Mehr als ein Fünftel der Stadtfläche wird überflutet, 315 Menschen sterben.

In Cuxhafen steht das Wasser am Abend schon auf 4 Meter 60 Meter über Normalnull. Aller Erfahrung nach steigt das Wasser in Hamburg dann noch einen Meter höher. Aber in Hamburg sieht niemand die Gefahr für die Hansestadt. Alle denken, der Sturm treffe nur die Küste. Erst spät am Abend realisieren die Verantwortlichen in Hamburg, was da auf die Stadt zukommt. Sie alarmieren die Bevölkerung in der Nähe der Elbe mit Sirenen, Böllerschüssen und Polizeieinsätzen. Aber als kurz nach Mitternacht die Deiche in Finkenwerder, Wilhelmsburg, Moorburg, Moorfleet und Billwerder überspült werden, ist kein Gebiet evakuiert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ urteilt eine Woche später: „Hamburg verschlief die Sintflut.“

Große Teile der Hamburger Bevölkerung sind in der Nacht vom Strom abgeschnitten, Telefone funktionieren nicht, die Trinkwasserversorgung ist größtenteils unterbochen. Aber eine Gruppe von Menschen trifft es besonders hart: Flüchtlinge und Ausgebombte, die sich seit Kriegsende in behelfsmäßig hergerichteten Häusern in einer tief liegenden Kleingartenkolonie eingerichtet haben. Hier in Wilhelmsburg, reißt die Flut alles fort, was auf ihrem Weg liegt, Häuser, Brücken, Bahnanlagen, Fahrzeuge, Tiere, Menschen. In Wilhelmsburg und anderen Stadtteilen sind bald 100 000 Menschen vom Wasser eingeschlossen. Auch die Innenstadt steht unter Wasser.

Am frühen Morgen des 17. Februar beschließt der damalige Hamburger Innensenator Helmut Schmidt – ohne Befugnis dafür – die Bundeswehr und die Nato zu Hilfe zu rufen. Die Hilfe kommt prompt. 25 000 Helfer, darunter englische, amerikanische, belgische, dänische und holländische Truppen, retten Menschen mit Hubschraubern von Dächern und Bäumen, versorgen die Eingeschlossenen aus der Luft oder mit Booten. Hundert Hubschrauber von Bundeswehr und Royal Airforce sind im Einsatz. Obdachlos Gewordene werden untergebracht, Verwundete versorgt, Lebensmittel und Decken ausgeteilt. Der Senat veranlasst Massenimpfungen gegen Typhus.

Hinter ihren Deichen hatten sich die Hamburger bis zu dieser Nacht sicher gefühlt: Die letzte schwere Sturmflut lag mehr als 100 Jahre zurück, seitdem war nichts Schlimmes passiert. Zwar waren nach der größten Flutkatastrophe in Europa im 20. Jahrhundert, der Hollandflut 1953, viele Deiche an der Küste erneuert und erhöht worden. Nicht so jedoch in der Hansestadt. Hier wurde nicht viel Aufwand in die Unterhaltung der Deiche investiert. Vor allem die Deichanlagen am südlichen Ufer der Elbe waren in einem schlechten Zustand. An 63 Stellen brachen dann vor 50 Jahren diese Deiche.

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