Welt : Sturmwarnung übers Handy

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Von Gideon Heimann

Wir haben es gerade am Mittwoch letzter Woche wieder gesehen: Wer vor Gefahren warnt, muss sich richtig ausdrücken, um verstanden zu werden. Er muss aber auch wissen, wen er überhaupt warnen will. Denn wer allzu global auf ein bevorstehendes Ereignis hinweist, wird von den Betroffenen möglicherweise gar nicht wahrgenommen.

Meteomedia-Chef Jörg Kachelmann hat deshalb die Einführung eines zweistufigen Warnverfahrens gefordert, nach amerikanischem Vorbild. Da wird zunächst weiträumig Alarm ausgelöst und dann mitgeteilt, wann und wo die Gefahr am größten ist. Meteomedia arbeitet gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) in Berlin und Dortmund sowie mit der Versicherungskammer Bayern schon am nächsten Schritt: Wetterinformationen noch genauer zu portionieren und sie den jeweiligen Interessenten bedarfsgerecht zu präsentieren.

Das gelingt offenbar schon: Die Software „@ptus weather“ arbeitet seit Mai im Testbetrieb, und wie man hört inzwischen zur Zufriedenheit der etwa 3000 Kunden. Diese haben vorab per Internet-Computer oder Wap-Handy ein elektronisches Formular ausgefüllt und angegeben, ob sie an Informationen über Gewitter, Stark- oder Glatteisregen, Hagelschlag und Stürme interessiert sind. Nachricht bekommen sie erst dann, wenn sich die Aussichten dafür verdichten, dass jenes befürchtete Ereignis eintritt. Dann werden die Daten auf ein von ihnen gewünschtes Gerät geschickt: aufs Handy oder Fax sowie als Email. Die Technik ist sogar so einstellbar, dass sie das Empfangsgerät zu festgesetzten Zeiten umstellt. Nachts, wenn niemand seine Faxe kontrolliert, klingelt stattdessen das Handy – in Zukunft auch solche, die mit UMTS arbeiten werden.

Diese „just-in-time“-Informationen werden nur dann weitergeleitet, wenn ein oder mehrere vorab festgelegte Werte mit großer Wahrscheinlichkeit erreicht oder überschritten werden. Beim Regen wäre es zum Beispiel die Literzahl pro Quadratmeter, die voraussichtlich zusammenkommen wird.

Speditionen und ihre Lastwagenfahrer etwa wären dankbar für Warnungen, falls auf der geplanten Route Beeinträchtigungen der Straßen- oder Sichtverhältnisse zu erwarten sind. Wer ein Handy besitzt, das per GPS den jeweiligen Standort registriert und zurückmeldet, kann sich die Hinweise auf Glatteis oder Nebel auch während der Fahrt zukommen lassen.

Viele Einsatzmöglichkeiten für ein solches Frühwarnsystem gibt es im Freizeitbereich: Segler könnten sich über schweres Wetter informieren, es meiden oder sich zumindest darauf einstellen. Alpinisten erführen ebenfalls rechtzeitig von Unwettergefahren. Bislang haben sich mehrere Kunden der Versicherungskammer Bayern an den Service anschließen lassen, vorrangig Hausverwaltungen und Hausbesitzer, aber auch Gerüstbauer. „Denn hier entstehen schon durch etwas stärkeren Wind oft sehr große Schäden“, erläutert Fraunhofer-Forscher Ulrich Meissen.

Und die Kosten? Derzeit beträgt die Gebühr zum Beispiel für eine warnende SMS sechs Cent. Aber das gilt natürlich nur für Versicherungsnehmer der Bayerischen Kammer, die an dem Versuch teilnehmen. Es ist jedoch daran gedacht, den Service bundesweit anzubieten, wenn der Test weiter so gut verläuft: Im Oktober findet die Bewertung statt, und dann wird entschieden, ob und wie die Technik ausgeweitet wird. Freilich wird es dann vermutlich höhere Gebührensätze geben, sagt der Fraunhofer-Wissenschaftler. Doch gemessen an den Kosten im Schadensfall wäre solch ein Warndienst sicher gut angelegtes Geld.

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