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Stuttgart : Tantra-Massagen sind sexuelles Vergnügen und steuerpflichtig

Tantra-Massagen sind sexuelles Vergnügen und damit steuerpflichtig. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht wies die Klage einer Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt ab. Sie hatte argumentiert, dass es um eine ganzheitliche Behandlung gehe.

Bei Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann meist beide völlig nackt.
Bei Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann meist beide völlig nackt.Foto: dpa

Wo sinnliche Massage aufhört und steuerpflichtiges sexuelles Vergnügen anfängt - das musste das Stuttgarter Verwaltungsgericht seit Mittwoch klären. Eine Anbieterin von Tantra-Massagen hatte gegen die von der baden-württembergischen Landeshauptstadt festgesetzten Vergnügungssteuern geklagt, wie sie etwa Bordelle, Laufhäuser oder Swingerclubs zu zahlen haben. 840 Euro waren ihr 2012 für zwei Monate berechnet worden. (Az.: 8 K 28/13)

Bei den Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann beide völlig nackt. „Wir sind mit den Klienten kleidungsmäßig immer auf der gleichen Stufe“, sagte die Klägerin bei der Verhandlung. Bei der Massage werde der Intimbereich bewusst mit eingeschlossen, weil er halt zum „ganzen Körper“ gehöre, betonte die drahtige 55-Jährige.

Die Anwendung folge einem strikt einzuhaltenden Ritus. Ein Orgasmus sei dabei möglich. Hauptzweck sei aber nicht das sexuelle Vergnügen, sondern das ganzheitliche Wohlbefinden im Sinne der tantrischen Erkenntnislehre. Geschlechtsverkehr finde nicht statt.

Dass das Unternehmen der Klägerin „Gelegenheit zu sexuellem Vergnügung“ einräume, wie es in der Steuersatzung steht, stellte ihr Anwalt nicht in Frage. Allerdings sei dies nicht das Ziel. Und auf keinen Fall sei der kleine Massagesalon eine ähnliche Einrichtung wie Bordelle, Laufhäuser oder Swingerclubs.

Der Vorsitzende Richter sagte, dass der Vergleich mit bordellähnlichen Einrichtungen möglicherweise „nicht so ganz“ passe.

Gut wäre, sagte er, wenn die Stadt für Grenzfälle wie diesen einen eigenen Tatbestand definiert hätte. So aber gebe es nur Schwarz oder Weiß, und das Gericht müsse dazwischen wählen. Die Entscheidung am Donnerstag gab dann aber der Stadt Recht.Dass die Ganzkörpermassagen nach striktem Tantra-Ritual ablaufen und nicht in erster Linie auf das sexuelle Vergnügen, sondern auf ganzheitliches Wohlbefinden ausgerichtet seien, spiele keine wesentliche Rolle, befand das Gericht. Entscheidend sei, dass die Kunden gegen Entgelt eine Massage inklusive Genitalbereich buchen könnten.

Nach Auskunft einer Gerichtssprecherin ist der Stuttgarter Prozess um die Tantra-Massagen der erste seiner Art. Eine sogenannte Sexsteuer gibt es neben Stuttgart in etlichen deutschen Städten, aber längst nicht in allen. Hamburg und Berlin etwa haben keine. Köln gehörte vor rund zehn Jahren zu den Vorreitern bei der Steuer. (dpa)

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