Suchaktion : Ermittler finden zwei Kinderleichen

Die zwei vor zweieinhalb Wochen im belgischen Lüttich verschwundenen Mädchen sind offenbar beide tot: Die Polizei fand am Mittwoch an einer Bahnstrecke in Lüttich zwei Kinderleichen.

Brüssel - Bei einem der toten Kinder handelte sich nach Angaben der Ermittler um die siebenjährige Stacy. Nur 20 Meter entfernt wurde ein zweiter Leichnam gefunden. Medienberichten zufolge handelte es sich um den Körper von Stacys zehn Jahre alter Stiefschwester Nathalie. Die Kinder waren in der Nacht zum 10. Juni verschwunden. Die Leichen wurdne nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt gefunden, an dem sich die Spur der Mädchen verloren hatte. Ein wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Verdächtiger sitzt bereits in Haft, leugnet jedoch jede Verwicklung. Der Fall weckte in Belgien böse Erinnerungen an den Kinderschänder Marc Dutroux.

Die Ermittler fanden am Mittwochmorgen im Lütticher Stadtviertel Saint Léonard unter einem Gullydeckel zunächst die Leiche von Stacy. Wenige Stunden später stießen die Fahnder nach einem Bericht des belgischen Fernsehsender RTBF in der Kanalisation auf ein zweites totes Kind. «Es handelt sich offenbar um die Leiche von Nathalie», berichtete eine Korrespondentin des TV-Senders vor Ort. Der zuständige Generalstaatsanwalt Cédric Visart de Bocarmé dementierte den Bericht nicht, wollte zunächst aber auf eine «offizielle Bestätigung» warten, dass es wirklich Nathalies Leiche war. Die Justiz wollte am späten Nachmittag eine Pressekonferenz geben.

Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga deutet der Zustand der Leichen darauf hin, dass der Todeszeitpunkt schon länger zurückliegt. Stacy und Nathalie hatten am Abend ihres Verschwindens während einer Feier im Stadtteil Saint Léonard vor einem Café auf der Straße gespielt, in dem ihre Eltern mit Freunden saßen. Sie verschwanden gegen Ende der Feier um zwei Uhr morgens.

Verdächtiger bestreitet Schuld

In dem Café hielt sich in derselben Nacht auch ein 38-Jähriger auf, der rasch ins Visier der Ermittler rückte. Der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Verdächtige war nach dem Verschwinden der Kinder drei Tage lang untergetaucht. Er stellte sich schließlich den Behörden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihm wird Entführung und Freiheitsentzug vorgeworfen. Der Mann bestreitet jede Schuld. Spezialisten sicherten in der Wohnung des Verdächtigen Blutspuren. Ein erster DNA-Vergleich ergab zunächst keine Spur zu den Kindern. Die Leichen der beiden Mädchen wurden nach Angaben des Fernsehsenders RTBF nur «wenige Schritte» von der Wohnung des Verdächtigen entfernt gefunden.

An der Bahnstrecke, an der die beiden Leichen nun entdeckt wurden, hatte es bereits kurz nach dem Verschwinden der Kinder eine groß angelegte Suche gegeben. Damals hatten die Fahnder nichts entdeckt.

Wegen der einschlägigen Vorstrafen des Hauptverdächtigen ging in Belgien seit dem Verschwinden der Kinder die Angst vor einem neuen Fall Dutroux um. Die Affäre um Marc Dutroux hatte vor zehn Jahren weit über Belgiens Grenzen hinweg für Entsetzen gesorgt. 1996 wurden zwei Mädchenleichen im Garten des Kinderschänders gefunden. Der Pädophile wurde am 22. Juni 2004 wegen Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen sowie wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Dutroux war nach einer ersten Verurteilung 1989 zu dreizehneinhalb Jahren Gefängnis vorzeitig aus der Haft entlassen worden und rückfällig geworden. Auch der Fall Dutroux hatte mit dem Verschwinden zweier Mädchen in Lüttich seinen Ausgang genommen. (tso/AFP)

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