Welt : Suche nach dem versunkenen Traum

Jetzt will auch ein US-Architekt das sagenumwobene Atlantis gefunden haben – vor Zypern

Gerd Höhler[Athen]

Robert Sarmast ist sich seiner Sache sicher. „Es war ein langer Weg bis hierher, aber er hat sich gelohnt – wenn das nicht Atlantis ist, was ist es dann?“, fragt der amerikanische Architekt. Vor der Küste der Mittelmeerinsel Zypern glaubt er, das sagenhafte Atlantis entdeckt zu haben – jenen vom griechischen Philosophen Plato in seinen Dialogen Timaios und Kritias beschriebenen Inselkontinent, der durch eine gewaltige Naturkatastrophe innerhalb „eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht“ für immer im Meer versunken sein soll.

Obwohl strittig ist, ob es sich dabei um Fakten oder Fiktion handelt, suchten Generationen von Forschern nach den Überresten von Atlantis, keiner war bisher erfolgreich. Es bleibt ein Traum. Sarmast aber – von anderen Experten heftig kritisiert – glaubt, die Überreste von Atlantis jetzt „definitiv gefunden“ zu haben: 80 Kilometer vor der Südostküste Zyperns will er mit Hilfe von Sonargeräten von Bord seines Forschungsschiffs „Flying Enterprise“ in einer Wassertiefe von 1500 Metern „zahlreiche Überreste von Straßen, Kanalisationsanlagen und gewaltigen Mauern“ entdeckt haben. „Es ist ein Wunder“, sagt Sarmast, „Lage und Ausmaße der Mauern, die wir gefunden haben, decken sich exakt mit den Beschreibungen Platos“. Zwar räumt der Architekt ein, dass es noch „keine Beweise in Form von Ziegeln oder Zement“ gebe, weil die Ruinen unter Schlamm lägen. Aber die Indizien seien „unwiderlegbar“, meint Sarmast. Der Amerikaner hat mit seinen Behauptungen große Aufmerksamkeit erregt, stößt aber bei anderen Forschern auf Skepsis. „Wir brauchen mehr Beweise“, sagt Pavlos Flourentzos, der Chef der Archäologiebehörde auf Zypern. Der auf Zypern lebende französische Archäologe Michel Morisseau hält die angebliche Entdeckung für ein Hirngespinst: „Ich bin schockiert, denn was da verbreitet wird, hat nichts mit geologischen Fakten zu tun“. Sarmast spricht der Archäologe jeden Sachverstand ab: „Er kommt einfach hierher, keiner weiß, wer er ist und was er tut“, ereifert sich Morisseau und fragt: „Wie kann es sein, dass eine Stadt, die auf dem Land erbaut wurde, sich jetzt 1800 Meter unter dem Meeresspiegel befindet, ohne dass sie zerstört wurde?“ Bei den Hügeln, die Sarmast als Umriss der Stadt deutet, handele es sich um Schlammvulkane, sagte der Hamburger Geophysiker Christian Hübscher laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Doch Robert Sarmast glaubt fest an seinen Fund. Seit fast drei Jahren widmet er sich der Suche. Bereits im September 2003 publizierte er ein Buch mit dem Titel „Die Entdeckung von Atlantis“, in dem es hieß, die mythische Insel liege im östlichen Mittelmeer. Rund 200000 Dollar hat Sarmast bisher in die Forschungen gesteckt. Die Gelder stammen überwiegend aus Spenden, darunter auch ein 60000-Dollar-Zuschuss der zyprischen Touristikbehörde, die sich offenbar von dem Atlantis-Rummel eine Belebung des Fremdenverkehrs verspricht. Jetzt ist Sarmast auf der Suche nach weiteren 250000 Dollar: Damit will er eine zweite Expedition finanzieren.

Der US-Architekt Robert Sarmast (oben) hat bisher keine Beweise für seine These vorgelegt. Seine Computeranimation (links) belegt nichts, ebenso das Foto von Amphoren auf dem Meeresgrund (unten).

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