Südafrika : Enger Freund von Prinz Charles erschossen

Vor den Augen seiner Frau ist ein enger Freund von Prinz Charles, der international bekannte Historiker David Rattray (49), auf seiner Farm in Südafrika erschossen worden. Freunde gehen von einem gezielten Mord aus.

Johannesburg - Charles sprach der Familie des Toten telefonisch sein Beileid aus, wie die südafrikanische Zeitung "Sunday Independent" berichtete. Freunde des Erschossenen gehen von gezieltem Mord aus, da die sechsköpfige Tätergruppe vor den tödlichen Schüssen nach dem Historiker gefragt und nichts entwendet hatte. Rattray hatte sich offenbar noch schützend vor seine Frau gestellt, als ihn die Kugeln trafen.

Die Tat wurde auch von Top-Managern und Politikern aufs Schärfste verurteilt. Der prominente Fall kommt nur wenige Tage, nachdem Präsident Thabo Mbeki und Polizeichef Jackie Selebi das zunehmend brutaler werdende Verbrechen im Lande als "Wahrnehmungsproblem" einiger Kritiker zu relativieren suchten. "Leute, die nicht glauben wollen, dass sich unser Land in einer Krise befindet, lügen sich selbst etwas in die Tasche", erklärte dagegen der Chef des internationalen Schweizer Luxuskonzerns Richmont, Johan Rupert, in einer Reaktion auf den Tod Rattrays. Das Land, das 2010 die Fußball- Weltmeisterschaft ausrichten wird, sei "im Krieg mit sich selber".

18.000 Morde im letzten Jahr

Im vergangenen Jahr wurden offiziell mehr als 18.000 Morde und knapp 55.000 Vergewaltigungen registriert. Mbeki und andere wiesen jedoch auf eine Abnahme der Zahlen gegenüber der Zeit hin, als sich das Land noch im blutigen Kampf gegen die Apartheid befand.

Der Historiker Rattray, der sich in Südafrika mit der Geschichte der Zulus befasst hatte, verbrachte seinen Urlaub jedes Jahr gemeinsam mit Prinz Charles in Schottland. "Prinz Charles und David (Rattray) waren sich sehr ähnlich, deshalb kamen sie wohl auch so gut miteinander aus", erklärte eine seiner Bekannten. Prinz Charles war nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997 mit Prinz Harry auf Rattrays Anwesen zu Gast gewesen. Zur Trauerfeier werden 1000 Gäste erwartet. (tso/dpa)

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