Südafrika : Oscar Pistorius: Vom Gefängnis in die Luxusvilla

Der zu fünf Jahren Haft verurteilte Oscar Pistorius könnte am Freitag nach zehn Monaten aus dem Gefängnis kommen. Doch die Freiheit könnte nur von kurzer Dauer sein.

Oscar Pistorius war zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
Oscar Pistorius war zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.Foto: REUTERS

Viermal feuerte Oscar Pistorius durch die Tür seines Badezimmers und traf seine Freundin Reeva Steenkamp tödlich. Nun wird der beinamputierte Ex-Spitzensportler nach nur zehn Monaten Haft aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen. Viele Südafrikaner sehen in seiner schnellen Freilassung ein Zeichen für eine ungerechte Justiz, die vermögende Weiße weniger hart belangt.

Die Eltern des damals 29-jährigen Models Reeva Steenkamp haben die Justizbehörden aufgefordert, Pistorius noch nicht freizulassen. „Als ihre Familie wollen wir ihren Tod nicht rächen, noch wollen wir, dass Herr Pistorius leidet. Das wird sie nicht zu uns zurückbringen“, schrieben Barry und June Steenkamp. „Aber ein Mensch, der eines Verbrechens schuldig befunden wurde, muss für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden.“

Doch Pistorius' Freiheit könnte ohnehin von kurzer Dauer sein. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil vom Oktober vergangenen Jahres Berufung eingelegt und will ihn wegen Mordes verurteilt sehen. Das oberste Berufungsgericht in Bloemfontein wird sich den Fall im November vornehmen. „Sein Strafmaß könnte neu bewertet werden und er könnte zu einer viel längeren Haftstrafe verurteilt werden“, sagt der südafrikanische Strafrechtler Llewelyn Curlewis.

Im vergangenen Jahr verurteilte das Gericht in Pretoria Pistorius zu fünf Jahren Haft. Südafrikanisches Recht ermöglicht jedoch bei guter Führung nach dem Ableisten eines Sechstels einer Haftstrafe die Umwandlung in Hausarrest. Der Strafrechtler Keith Gess aus Kapstadt nimmt an, dass Pistorius' Strafmaß vom Berufungsgericht auf 8 Jahre erhöht werden könnte, maximal auf 10 Jahre. In beiden Fällen müsste er zurück ins Gefängnis. Das Berufungsgericht wird seine Entscheidung spätestens nach einigen Wochen bekanntgeben.

Hausarrest in der Luxusvilla des Onkels

Wenn Pistorius am Freitag aus dem Gefängnis Kgosi Mampuru II in Pretoria freikommt, wird er wohl direkt in die Luxusvilla seines Onkels gefahren werden. Dort hatte er auch während des Prozesses gelebt. Zu den Auflagen seines Hausarrests gehören Sozialstunden, ein komplettes Alkoholverbot und die Pflicht, eine Arbeit anzunehmen. Pistorius' Familie hat es bislang abgelehnt, Stellung zu den Plänen des 28-Jährigen zu nehmen.

Pistorius wurden als Kind wegen eines Gendefekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Als Sprinter wurde er weltweit bekannt, als er mit seinen J-förmigen High-Tech-Prothesen aus elastischem Carbon bei den Paralympics Rekorde brach. Auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London machte er Furore. Ganz Südafrika war stolz auf den zähen, wild-entschlossenen Sportler.

Seine Beziehung zu Reeva brachte die beiden auch in die Klatschspalten der Zeitungen. Doch nach den Todesschüssen vom Valentinstag 2013 war es jäh vorbei mit „Oscar Superstar“. Er wurde noch am gleichen Tag verhaftet, seine Sponsoren kündigten schnell alle Verträge.

Pistorius sagte vor Gericht aus, dass er hinter der Badezimmertür einen Einbrecher vermutete und deshalb mit der großkalibrigen Pistole - für die er keinen Waffenschein besaß - feuerte. Im Prozess weinte er oft, wenn die Sprache auf die Schüsse kam. Als Bilder von der Leiche seiner Freundin in einer Blutlache gezeigt wurden, erbrach er sich.

Richterin Thokozile Masipa sah in seiner Tat keinen vorsätzlichen Mord, bezeichnete die Tat jedoch als „grob fahrlässig“. Angesichts des Strafmaßes von nur fünf Jahren hagelte es Kritik an der Richterin. Viele warfen ihr vor, den Sportler zu leicht davonkommen zu lassen.

Über seine Zeit im Gefängnis ist nur wenig nach außen gedrungen. Wegen seiner Behinderung wurde er in einem Krankenhaustrakt untergebracht. Dort hatte er wesentlich bessere Bedingungen als in den normalen Zellen, die oft stark überfüllt sind. Juristen vermuteten, dass er auch aus Angst vor möglichen Angriffen anderer Insassen nicht in eine normale Zelle verlegt wurde. Ein Video, das offenbar heimlich von einem Mithäftling aufgenommen worden war, zeigte Pistorius einmal beim Fußballspielen im Gefängnishof. (dpa)


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