Südafrika : Polizisten erschießen streikende Minenarbeiter

17.08.2012 08:50 Uhr

Update Südafrikanische Polizisten haben bei einer Konfrontation am Donnerstag mehrere streikende Arbeiter einer Platinmine erschossen - einer der schwersten Zwischenfälle seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994.

Die Polizei bestätigte, dass es Tote gegeben habe, nannte aber keine Zahl. In Medienberichten wurden Augenzeugen zitiert, die von bis zu 18 Toten sprachen. Präsident Jacob Zuma sagte, er sei „bestürzt und schockiert von dieser sinnlosen Gewalt“. In einem Bericht des privaten Fernsehsenders e.tv waren Dutzende Schüsse aus automatischen Waffen zu hören, bis ein Beamter rief: „Feuer einstellen.“ Auf den Aufnahmen waren mehrere blutüberströmte, regungslose Körper zu sehen. Zuvor hatte die Polizei die Streikenden aufgefordert, ihre Waffen - darunter Macheten und Knüppel - niederzulegen.

Als die Arbeiter die Aufforderung ignorierten, setzte die Polizei zunächst Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein.

Wenig später stürmte eine Gruppe auf die Polizisten zu, und die Beamten eröffneten das Feuer. Polizeisprecher Zweli Mnisi sagte, die Arbeiter hätten ebenfalls auf die Beamten geschossen. „Wir waren in einer Situation, in der bis zu den Zähnen bewaffnete Leute andere angegriffen und getötet haben - sogar Polizisten“, sagte Mnisi. „Was soll die Polizei in einer solchen Lage tun, wenn sie sich bewaffneten Kriminellen gegenüber sieht, die Polizisten ermorden?“ Seit dem 10. August streiken rund 3.000 Arbeiter der Mine Marikana 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Seit Sonntag starben bei den Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Sicherheitskräften bereits mindestens neun Menschen. Minenbetreiber Lonmin, der weltweit drittgrößte Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein.

Zuma sagte, im demokratischen System Südafrikas gebe es genug Raum, jeden Konflikt „durch Dialog zu lösen ohne jegliche Verstöße gegen das Gesetz oder Gewalt.“ Ein Vizepräsident von Lonmin, Barnard Mokwena, sagte zu dem blutigen Zwischenfall lediglich: „Das ist ein Polizei-Einsatz.“ Zuvor hatte die Lonmin-Geschäftsleitung erklärt, wer von den streikenden Arbeitern am heutigen Freitag nicht zur Arbeit erscheine, sei entlassen. (dapd)

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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