Südafrika : Teatime am Kap

Rooibos-Tee fehlt in Deutschland auf fast keiner Getränkekarte. Doch in Südafrika wird noch ein weiteres Spitzenprodukt produziert: mild, süß und gesund – Honigbusch-Tee. Ein Farmbesuch unseres Afrika-Korrespondenten.

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Erfolgreiche Farmer: Mona und Van Zyl Joubert bauen den Honigbusch an. Das harsche Klima am Kap erwies sich als ideal für die Produktion.
Erfolgreiche Farmer: Mona und Van Zyl Joubert bauen den Honigbusch an. Das harsche Klima am Kap erwies sich als ideal für die...Foto: Wolfgang Drechsler

Drei Stunden dauert die Fahrt über sanft geschwungene Hügel, vorbei an frisch gemähten Getreidefeldern und Ortschaften mit hohen, weiß getünchten Kirchtürmen. Dann kommt die kleine Teefarm Toekomst (Zukunft) am Fuße der Bredasdorp-Berge in Sicht. Vom Kap Agulhas, der 30 Kilometer entfernten Südspitze Afrikas, weht ein scharfer Westwind. Am Straßenrand steht in den Pfützen noch der Regen der Nacht. Teatime-Wetter.

Wesentlich milder, fast honigsüß schmeckt diese bislang unbekanntere Sorte

Im Wohnzimmer ihrer Farm servieren Mona und Van Zyl Joubert zum Aufwärmen gleich eine Kostprobe des von ihnen hier angebauten Honeybush (Honigbusch)-Tees, der noch immer im Schatten des weit bekannteren und vor allem in Deutschland beliebten Rooibos (Rotbusch) steht. Wesentlich milder, fast honigsüß schmeckt diese bislang unbekanntere Sorte.

Vor 20 Jahren sind die beiden mit ihren drei Töchtern aus den 500 Kilometer entfernten Tsitsikama-Bergen in dieses raue Idyll gezogen – mehr notgedrungen als gewollt. Die Regierung hatte damals die zuvor unter der Apartheid aus dem Tsitsikama vertriebene schwarze Volksgruppe der Fingos zurückgesiedelt. Im Gegenzug mussten nun ein paar weiße Farmer weichen.

Die Jouberts hatten das Pech, dass sich auf ihrer Farm ein alter Friedhof der Fingo befand, den die Familie bei der Übernahme des Landes zwölf Jahre zuvor aus Pietätsgründen nicht untergepflügt hatte. Nun erwies sich genau dies als Bumerang: Mit dem Ende der Apartheid und dem Ruf nach Wiedergutmachung für begangenes Unrecht blieb den Jouberts nur ein Neubeginn auf anderem Grund. Zu ihrem neuen Refugium wurde das karge Strandveld an der Südspitze Afrikas, das mit seinem Heidekraut und dem trockenen Sandboden stark an die Lüneburger Heide erinnert.

Kurz nach Kauf der Farm pflanzten Mona und Van Zyl Joubert ersten Honigbusch

Schon kurze Zeit nach dem Kauf der kleinen Farm pflanzte die Familie am Fuße der Bredasdorp-Berge den ersten Honigbusch. Auf die Idee waren sie durch ein paar Teebüsche gekommen, die im Unterholz dem oft rauen Wetter trotzten – und zur Grundlage der neuen Honeybush-Plantage wurden. Das harsche Klima, der stete Wind und die Lage der Farm am Fuß einer Bergkette erwiesen sich als idealer Standort für die Produktion des Küsten-Honigbuschs, einer von fünf kommerziell angebauten Sorten.

Anders als manche Farmer im Inland, die dem wilden Busch keine Zeit zur Erholung ließen und damit zu seinem Verschwinden beitrugen, entwickelten die Jouberts auf ihrer Farm ein System, das nach dem Anwachsen der Pflanzen keine weiteren Eingriffe erfordert. Nach der Aussaat verwenden sie für ihren „Agulhas Honeybush Tea“ weder Dünger noch andere chemische Zusätze. Unkraut wird regelmäßig per Hand gerupft und der Tee auch nur einmal im Jahr geerntet – zwischen Januar und März. „Dann kommen auch unsere Töchter mit ihren Familien zurück auf die Farm, zumal die Erntezeit in die südafrikanischen Sommerferien fällt“, sagt die 59-jährige Mona.

Vieles hier haben die Selfmade-Farmer in mühevoller Kleinarbeit selbst entwickelt

Was so einfach klingt, fußt auf jahrelangem Herumprobieren – mit vielen Rückschlägen. Vieles hier haben die Selfmade-Farmer in mühevoller Kleinarbeit selbst entwickelt. Als sie 1994 begannen, gab es praktisch keine Vorgaben für den Anbau des kommerziell bis dato quasi ungenutzten Tees. „Es finden sich zwar bereits 1881 erste wissenschaftliche Einträge zum Honigbusch-Tee“, erklärt van Zyl. „Seltsamerweise wurde die Pflanze aber erst 100 Jahre später kultiviert.“

Nur zehn Prozent des auf Toekomst produzierten Tees werden von den Jouberts in Teebeuteln in Südafrika verkauft. Der Löwenanteil geht in Säcken an Großhändler. Herzstück der Teeverarbeitung ist eine eigentlich für die Tabakverarbeitung erfundene Maschine, die die Teebüsche millimeterklein schneidet. Anschließend wird der Tee unter Beigabe von Quellwasser zum Fermentieren in zwei großen Stahltrommeln auf 70 Grad erhitzt und zwei Tage lang konstant auf dieser Temperatur gehalten – so lange, bis der einst grüne Tee eine bräunliche Farbe angenommen hat. Danach wird er in der Kapsonne luftgetrocknet. Im Gegensatz dazu wird der frisch geschnittene grüne Honigbuschtee sofort an der Luft ausgelegt.

Bestandteile des Honigbuschs können offenbar Brustkrebs entgegenwirken

Liebhaber des Tees schwärmen von seinem gesundheitlichen Nutzen. Und in der Tat gibt es wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Bestandteile des Honigbuschs offenbar Brustkrebs entgegenwirken können. Die Extrakte des Tees sollen Rezeptoren blockieren, die das Wachstum von Tumorzellen fördern. Daneben soll der Kräutertee auch die Arterien vom schlechten Cholesterin befreien.

Noch ist dieser Tee kein Exportschlager

Zum Exportschlager hat sich der Honeybush-Tee trotzdem noch nicht entwickelt. Dies liegt vermutlich daran, dass sich der rotgoldene Rooibos weit besser mit anderen Geschmacksstoffen mischen lässt. Dessen jährliche Produktion hat sich gegenüber dem Niveau von vor zehn Jahren auf 15 000 Tonnen mehr als verdreifacht. Im Gegensatz dazu liegt die Gesamtproduktion des Honigbusch-Tees derzeit bei nur 400 Tonnen – von denen allein die Jouberts mehr als zehn Prozent ernten. Und die Jouberts sind optimistisch, denn die Nachfrage steigt. Vielleicht kann der Honeybush-Tee eines Tages doch in die Fußstapfen des Rooibos treten.

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