Südkorea : Anklage gegen Klonforscher Hwang

Die Staatsanwaltschaft in Seoul hat heute Anklage gegen den südkoreanischen Klonforscher Hwang Woo Suk erhoben. Ihm werden Fälschungen in seinen Stammzellenstudien vorgeworfen.

Seoul - Nach knapp fünfmonatigen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft in Seoul Anklage wegen Betrugs und der Veruntreuung von Forschungszuschüssen. Zudem wird dem 53-jährigen Tiermediziner der Verstoß gegen das Biotethikgesetz vorgeworfen wegen illegaler Beschaffung von Eizellen für seine Experimente. Im Zusammenhang mit dem größten Wissenschaftsskandal der vergangenen Jahre wurden außerdem fünf weitere Forscher aus dem Umkreis von Hwangs Team angeklagt.

Die Anklagebehörde bestätigte die Untersuchungsergebnisse der Nationaluniversität in Seoul vom Januar, wonach es sich bei den von Hwang im Fachmagazin «Science» dargestellten Erfolgen in den Jahren 2004 und und 2005 um Fälschungen gehandelt habe. «Hwang wies sein Team an, Daten zu fälschen, inklusive Fotos und der Zahl von Stammzellen sowie der DNA-Testergebnisse», hieß es. Hwang und sein Team hatten zunächst behauptet, als weltweit erste menschliche Stammzellen aus geklonten Embryonen gewonnen zu haben. Später wurde Hwang für seinen Artikel über das angebliche Klonen maßgeschneiderter Stammzellen für Patienten gefeiert.

Nach Angaben der Ermittler haben die patientenspezifischen Stammzellen niemals existiert. Hwang sei jedoch auch von einem seiner Mitarbeiter, Kim Sun Jong, getäuscht worden. Dieser habe Stammzellen aus befruchteten Eizellen in Hwangs Labor geschmuggelt und diese als geklonte Stammzellen ausgegeben. Forscher in aller Welt hoffen, aus geklonten embryonalen Stammzellen einmal Gewebeersatz für schwer kranke Patienten herstellen zu können.

Hwang wurde außerdem des Missbrauchs und der Veruntreuung von 2,8 Milliarden Won (etwa 2,4 Millionen Euro) staatlicher Zuschüsse und privater Spenden beschuldigt. Er steht im Verdacht, einen Teil der Zuschüsse illegal für den Kauf von Eizellen verwendet und Politikern Geld zugesteckt zu haben. Hwang droht im Fall einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. Auf einen Antrag auf Haftbefehl gegen Hwang verzichteten die Ermittler jedoch. Seit 1993 erhielten Hwang und sein Team den Angaben des Rechnungshofes zufolge insgesamt 37 Milliarden Won (31 Millionen Euro).

Die Regierung hatte dem einst als Volksheld gefeierten Forscher bereits im März die Erlaubnis zur Herstellung von und die Forschung mit embryonalen Stammzellen entzogen. Mit der Entlassung durch die Nationaluniversität verlor Hwang außerdem seinen Lehrstuhl. Der Forscher hatte zwar als Hauptautor der Artikel die Verantwortung für die Verwendung gefälschter Daten übernommen, sich jedoch als Opfer eines Komplotts beschrieben. (tso/dpa)

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