Südkorea : Mit aller Kraft gegen den Wehrdienst

92 Fußballer in Südkorea verletzten sich selbst – sie wollten nicht zur Armee.

Verena Friederike Hasel

In Südkorea sollen 92 Fußballspieler zu drastischen Mitteln gegriffen haben, um dem Militärdienst zu entgehen. Wie die englischsprachige Zeitung „Korea Herald“ berichtet, hatten sie sich mit dem Ziel, ausgemustert zu werden, selbst verletzt. Nun stehen sie nach Angaben des Blattes aus Südkorea vor Gericht, die Anklage lautet auf Betrug.

15 von ihnen sind oder waren professionelle Spieler in der K-Liga des Landes. Sie ist mit der deutschen Bundesliga vergleichbar. Die übrigen gehören Amateurvereinen oder Universitätsmannschaften an. Sie alle hatten sich, so sagt die Staatsanwaltschaft, zwischen Juli 2006 und September 2007 Schulterverletzungen zugefügt – entweder indem sie diese mit zu schweren Hanteln überlasteten oder indem sie Mitspieler aufforderten, ihnen auf die Schulter zu springen.

Sechs der Spieler wurden daraufhin völlig freigestellt vom Wehrdienst, die restlichen 86 durften stattdessen Zivildienst ableisten. Normalerweise muss in Südkorea jeder gesunde Mann zwei Jahre lang zum Militär. Formal befindet sich das Land immer noch im Krieg mit Nordkorea, insgesamt hat es eine Armee mit 670 000 Mann. Der Zivildienst als Alternative wird nur in Ausnahmefällen gestattet. In letzter Zeit haben sich vermehrt auch Prominente gegen den Militärdienst gewandt, so etwa der 29-Jährige beliebte Popsänger Park Jae-Sang, besser bekannt als Psy. Er arbeitete stattdessen zunächst in einem IT-Betrieb. Nachdem ihm jedoch vorgeworfen worden war, dass er seinen Pflichten dort nicht ausreichend nachkomme, muss er nun doch seinen Wehrdienst ableisten.

Das kann auch noch den Fußballern passieren. Bekommen sie weniger als 18 Monate Haft, müssen sie danach zum Militär. Sind es mehr, wird ihnen die Armeezeit erlassen. Beruhigen wird sie das nicht: Schlimmstenfalls drohen ihnen, so berichtet der „Korea Herald“, fünf Jahre Gefängnis. Mit ihnen angeklagt ist ein Orthopäde. Bei ihm waren die 92 Spieler, die alle operiert wurden, in Behandlung. Vor Gericht soll der Arzt ausgesagt haben, dass er keine Ahnung von der Absicht der Spieler gehabt habe. Zwar habe er die Häufung von Fußballpatienten in seiner Praxis seltsam gefunden, habe aber geglaubt, die Spieler seien seinem guten Ruf als Schulterspezialist gefolgt.

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