• Super-Taifun "Haiyan" verwüstete die Philippinen: Rotes Kreuz befürchtet mehr als 1000 Tote
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Super-Taifun "Haiyan" verwüstete die Philippinen : Rotes Kreuz befürchtet mehr als 1000 Tote

Nach dem verheerenden Taifun „Haiyan“ zeigt sich auf den Philippinen ein Bild des Grauens: Leichen liegen in den Straßen, kaum ein Stein sei auf dem anderen geblieben. Merkel und Barroso bieten Hilfe an. Laut UN-Helfern kommt die Zerstörung der nach dem Tsunami von 2004 gleich. In der Nacht soll der Taifun auf Vietnam treffen.

Die Philippinen nach dem Taifung "Haiyan": Dieser kleine Junge hat schon einen der vielen Wasserkanister erhalten, auf die die Bewohner der stark zerstörten Stadt Tacloban seit Tagen gewartet haben.Weitere Bilder anzeigen
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15.11.2013 14:06Die Philippinen nach dem Taifung "Haiyan": Dieser kleine Junge hat schon einen der vielen Wasserkanister erhalten, auf die die...

Das philippinische Rote Kreuz geht inzwischen von mehr als tausend Toten durch den Taifun „Haiyan“ aus. Wie die Generalsekretärin der Organisation, Gwendolyn Pang, am Samstag sagte, könnten beim Durchzug des Sturms 1200 Menschen ums Leben gekommen sein. „Haiyan“ ist einer der schwersten Tropenstürme aller Zeiten und war am Freitag mit voller Wucht auf die ostphilippinischen Inseln Leyte und Samar getroffen.

Die Behörde für Katastrophenschutz meldete offiziell 138 Todesopfer. Der Sprecher räumte ein, dass die Zahl weitaus höher liegen dürfte. Zeugen berichten, dass im Krisengebiet überall Leichen auf den Straßen liegen. „Wir haben Leichensäcke in die Region geschickt“, sagte Eric Tayag vom Gesundheitsministerium. „Wir schauen, wo die Toten begraben werden können, vielleicht in einem Massengrab.“

Viele Gebiete waren nach Angaben des Roten Kreuzes von der Außenwelt abgeschnitten. Daher war die genaue Opferzahl schwer zu ermitteln. Allein am Flughafen der Inselhauptstadt von Leyte, Tacloban, wurden mehr als hundert Leichen gefunden. Die Stadt liegt zehn Kilometer von Palo entfernt. Nach Angaben der Regierung in Manila waren vier Millionen Menschen in 36 Provinzen von den Auswirkungen des Taifuns betroffen.

Merkel und Barroso bieten Hilfe an

Taifun „Haiyan“ hat nach Augenschein eines UN-Mitarbeiters auf den Philippinen eine Verwüstung angerichtet wie der Tsunami 2004. Damals kamen durch meterhohe Flutwellen rund um den Indischen Ozean 220 000 Menschen ums Leben. Die Einschätzung meldete der Nothilfe-Koordinator der Vereinten Nationen am Samstag. Er hatte mit einem Team die schwer getroffene Stadt Tacloban in den Zentralphilippinen erreicht.

„Das letzte Mal, dass ich Zerstörung in diesem Ausmaß gesehen habe, war nach dem Tsunami im Indischen Ozean“, berichtete Sebastian Rhodes Stampa an seine Zentrale. „Die Verwüstung hat gewaltige Ausmaße. Autos liegen überall verstreut und die Straßen sind voller Schutt und Trümmer.“ Die Straßen seien völlig unpassierbar. Als einzige Chance, Betroffene zu erreichen, bliebe der Hubschrauber.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach ihr Beileid aus und bietet deutsche Hilfe bei der Bewältigung der Folgen an. Laut Auswärtigen Amt gibt es bislang keine Erkenntnisse über mögliche deutsche Opfer. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich bestürzt über die vielen Opfer und bekundete seine Anteilnahme. Auch Papst Franziskus und US-Außenminister John Kerry drückten ihr Mitgefühl aus.

Auch die EU-Kommission bietet Hilfe an. Die Behörde habe bereits Experten entsandt, um die philippinischen Behörden zu unterstützen. Weitere Nothilfe und Unterstützung seien möglich, falls sie angefordert würden, schrieb EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Samstag an den philippinischen Präsidenten Benigno Aquino. Der portugiesische Politiker zeigte sich bestürzt über die Katastrophe: „Ich habe mit großem Mitgefühl und Trauer von den Folgen des Taifuns Haiyan erfahren, die einen sehr großen Verlust von Menschenleben und Zerstörung bedeuten“, schrieb er nach Angaben seiner Behörde.

Stadt Tacloban zu 80 Prozent zerstört

Rote-Kreuz-Mitarbeiter berichten nach dem Durchzug von Taifun „Haiyan“ von massiver Zerstörung in der Stadt Tacloban. „Es dürften 80 Prozent der Stadt zerstört sein“, sagte Bernd Schell, Koordinator des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Hauptstadt Manila, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag.

Die Philippinen nach dem Taifun "Haiyan"
Die Philippinen nach dem Taifung "Haiyan": Dieser kleine Junge hat schon einen der vielen Wasserkanister erhalten, auf die die Bewohner der stark zerstörten Stadt Tacloban seit Tagen gewartet haben.Weitere Bilder anzeigen
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15.11.2013 14:06Die Philippinen nach dem Taifung "Haiyan": Dieser kleine Junge hat schon einen der vielen Wasserkanister erhalten, auf die die...

Tacloban ist eine Hafenstadt mit 220 000 Einwohnern in den Zentralphilippinen. Der lokale Fernsehsender ABS-CBN berichtete von einer Sturmflut mit Überschwemmungen, die drei Stockwerke hoch reichten.

Bei massiven Kommunikationsstörungen sei es den DRK-Mitarbeitern nur einige wenige Male gelungen, sich über Satellitentelefon zu melden, sagte Schell. Niemand habe bislang eine Übersicht über das Ausmaß der Katastrophe, betonte er. „Wir hören von Dutzenden Toten“, sagte er. „Die ganze Stadt liegt voller Trümmer.“ Der Stationsmanager des Flughafens von Tacloban hatte seiner Zentrale von mehr als 100 Leichen in den Straßen berichtet.

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